Selten Fontane - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 64 / 81

BÜCHER Selten Fontane

• aus DER SPIEGEL 14/1970
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Joachim Seyppel: »Ein Yankee in der Mark. Limes; 320 Selten; 22 Mark.

Der Autor dieser »Wanderungen nach Fontane« ist gebürtiger Berliner und hat rund zehn Jahre in Amerika verbracht. Er rechnet in der Bundesrepublik als Romancier ("Torso Conny der Große") und Essayist höchstens zur Mittelklasse. Auf Wanderschaft hat ihn der Ost-Berliner Aufbau-Verlag geschickt. Limes in Wiesbaden ist nur für die Lizenzausgabe zuständig.

Joachim Seyppel, Jahrgang 1919, reist denn auch weniger im Schatten Theodor Fontanes, Jahrgang 1819, als im Schatten einiger DDR-Berühmtheiten. Wo käme wohl außerhalb jenes Staates, dem er als Kultusminister gedient hat, Johannes R. Becher, der späte Poet, so billig, ja prächtig davon! In Buckow ist nicht nur Helene Weigel ansässig, die Witwe Brechts, sondern auch eine Lektorin verrät es -- Eckehard Schall, »der große Verkörperer von Brechtschen Figuren«.

Hin und wieder macht sich Fontane, der Vorgänger Seyppels, als Verächter des preußischen Adels bemerkbar, zu dem er sich allerdings erst lange nach den Wanderungen durch die Mark entwickelt hat -- nicht zuletzt aus mißachteter Liebe. Sonst wird man auf der mühevollen und ergebnisarmen Suche nach bedeutenden Details nur selten durch Fontane aufgehalten. Lieber spricht Seyppel von eigenen Ahnen, oder er hört auf die Gattin, die zwar aus den USA stammt, aber von Frieden und Fortschritt genausoviel hält wie der Gefährte.

Zur Ausgabe
Artikel 64 / 81