Sinnliche Gespräche - DER SPIEGEL
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KOMMUNIKATION Sinnliche Gespräche

• aus DER SPIEGEL 48/2000
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Das Telefon ist ein tückischer Genosse. Mal wartet man endlos auf einen ersehnten Anruf - und das Gerät rührt sich nicht. Dann wieder wird man aufgeschreckt von entnervendem Geklingel zur Unzeit. Allen Widrigkeiten zum Trotz hat sich dieses Kommunikationsmittel dennoch durchsetzen können. Nun wird der »Mobilisierung der Telefonie« nachgespürt: In ihrer »Kulturgeschichte des Telefons« (Edition Suhrkamp) beschreiben Stefan Münker und Alexander Roesler nicht nur die historische Entwicklung vom Wandapparat über den Münzfernsprecher zum Designerobjekt, sondern beschäftigen sich auch mit dem Telefon »als theologisches und erotisches Problem«. Mehrere Kapitel sind dem Weg des »sprechenden Knochens« vom Alltag in die Kunst gewidmet: Rauschfrei hingehaucht avancieren beispielsweise die Telefonsätze in Ingeborg Bachmanns Roman »Malina« zur eigenen literarischen Gattung. Im Film, in dem die bewährte Face-toface-Kommunikation immer mehr durch Handy-Dialoge ersetzt wird, klingelt's besonders schrill, wenn Horror droht. Das beweist auch die derzeitige Ausstellung »Mensch Telefon« im Frankfurter Museum für Kommunikation. Hier kann sich der Besucher anhand von rund hundert Filmbildern davon überzeugen, wie Regisseure am Klischee des geschlechtsspezifischen Unterschieds im Umgang mit dem Telefon mitarbeiteten. Man sieht es: Männer telefonieren kurz, ernst und energisch, Frauen aufgeregt und sinnlich.

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