So schwarz - DER SPIEGEL
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UNTERHALTUNG / DELANEY & BONNIE So schwarz

• aus DER SPIEGEL 48/1969
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

»Liebe mich«, singen die Amerikaner Delaney und Bonnie Bramlett zu den Gospel-Tönen ihrer Band, »ein kleines bißchen länger« -- das Publikum wird sie wohl noch lange lieben.

Denn seit der Londoner Beat-Gitarrist Eric Clapton ("Cream«, »Blind« Faith") -- den der englische »Melody Maker« jüngst zum »Musiker des Jahres« erklärte -- das Ensemble des singenden Ehepaares in Los Angeles entdeckt hat, teilen immer mehr Popmusik-Fans seine Meinung. »Delaney & Bonnie sind heute ganz einfach die beste Pop-Band der Welt.

Im August dieses Jahres nahm Clapton -- für die Vorprogramme seines Quartetts »Blind Faith« -- die neunköpfige Band mit auf eine große Amerika-Tournee. Seither bieten ihr Plattenproduzenten und Konzertagenten hohe Gagen; Musiker und Disc-Jockeys beten das Clapton-Lob nach.

»Delaney & Bonnie«, so urteilte beispielsweise das US-Fachblatt »Cash Box«, spielen »mit der gleichen Energie und Intensität wie 1964 die Beatles.« Mick Jagger von den »Rolling Stones« bekannte: »Einen überzeugenderen weißen Gospel-Klang habe ich noch niemals gehört.« Und Beatle George Harrison bedauerte, »daß wir diese Band« -- die in diesem Jahr schon zweimal, mit immer höheren Garantiesummen, die Plattenfirma gewechselt hat -- »nicht für unsere Marke »Apple Records' und für unsere Konzertagentur gewinnen konnten«.

Clapton nämlich hat der Bramlett-Combo nicht nur einen Kontrakt bei seiner US-Vertragsfirma »Atlantic« besorgt und wird ihre nächste Platte selber produzieren, er geht auch mit »Delaney & Bonnie« auf eine Europatournee, die am Mittwoch dieser Woche in Hamburg beginnt.

Für 16 Konzerte in Deutschland, England und Skandinavien, die teilweise vom englischen Fernsehen gefilmt und für eine Live-Platte mitgeschnitten werden, probten die Musiker 14 Tage lang in Claptons Landhaus ein neues Repertoire -- in jenem Stil, der schon auf ihrer ersten Langspielplatte (Titel: »Gebt euch nicht mit Ersatz zufrieden") zu hören Ist:

Zu raffinierten Saxophon- und Trompetenphrasen« zu mächtigen Gitarren- und Orgelakkorden, ekstatischen Trommelschlägen sowie kräftigem Klavier-Gehämmer stoßen Delaney, 30, und Bonnie, 25, ihre wilden Blues- und Gospel-Schreie aus. Und das klingt so schwarz, »als träten die farbigen Soul-Interpreten Ray Charles und Aretha Franklin gemeinsam auf« ("Chicago Daily News").

Unter Farbigen haben die Bramletts tatsächlich während ihrer ganzen Kindheit gelebt, und oft traten sie mit Negermusikern vors Mikrophon: Delaney Bramlett lernte mit sieben von einem schwarzen Bluessänger auf der Farm seines Vaters im Staat Mississippi Gitarre spielen, tingelte in Dorfkneipen und war später regelmäßig in einer TV-Hillbilly-Sendereihe zu Gast. Bonnie Lynn, die vorher in einem Kirchenchor in Illinois Spirituals gesungen hatte, wurde mit 15 von ihrem Vater in einem St.-Louis-Nachtklub als Profi-Sängerin auf die Bühne gestellt und zog anschließend mit schwarzen Soul-Ensembles über Land.

»Und als wir in Los Angeles 1961 erstmals fürs gleiche Programm engagiert waren«, sagt Bonnie« mittlerweile Mutter von zwei Kindern, »da haßten wir uns so sehr, daß wir schon nach fünf Tagen heirateten.«

Sie mieteten ein Haus, heuerten aus bekannten Rock- und Jazzbands sieben »Freunde« an und trainierten noch während der Flitterwochen ihre Band. Die spielte bald so gut, daß der berühmte Eric Clapton »nur noch mitspielen« wollte und das Vertrauen zu seinen »Blind Faith«-Musikanten verlor. Er verließ seine »Super-Gruppe« (Werbe-Slogan) und begleitet nun in den Tourneekonzerten die neuen Stars -- als zehntes Ensemblemitglied.

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