Sozialistisches Büro auf der Couch
Als das Sozialistische Büro (SB), eine antiautoritäre Initiative radikaler Studenten, kritischer Arbeiter und engagierter Lehrer, vor mehr als zehn Jahren aus der Taufe gehoben wurde, präsentierte es sich als Alternative zum linken Dogmatismus: zur Phantasiearmut der verspießerten DKP, zum Kasernenhofsozialismus der stalinistischen Mini-Parteien, zum zahnloser werdenden Reformismus der SPD. Nun sucht das SB nach einer Alternative zum eigenen Zustand. In der Januar-Ausgabe des SB-Organs »links« beklagen die Genossen, daß ihnen der »rote Faden« abhanden gekommen sei, und sie fragen, was wohl »sozialistische Politik heute sein könnte«. Darüber nämlich herrsche »kollektive Ratlosigkeit«. Was aber beklagt wird, soll offenbar gar nicht geändert werden. Denn stolz verkünden die Autoren, »Probleme« dargestellt zu haben, »für die wohl niemand hier Lösungen weiß«. Oder doch? Eine Debatte »hätte herauszufinden, welche Schritte der Emanzipation« »überhaupt möglich sind, welchen Anteil daran unsere Freundin« oder »ein Therapeut übernehmen kann«.