AUTOREN Später Dichterruhm
Erstmals in seiner fast 80-jährigen Geschichte ist der renommierte französische Literaturpreis Prix Renaudot an eine verstorbene Dichterin gegangen: die russisch-jüdische Emigrantin Irène Némirovsky, die 1942 in Auschwitz im Alter von 39 Jahren ums Leben kam. Vor der Deportation hatte sie einen Roman begonnen, der ihr »Krieg und Frieden« werden sollte - eine prägnante, schonungslose Beschreibung der französischen Niederlage von 1940 und des Lebens unter der beginnenden Besatzung. Ihre beiden Töchter, die den Häschern entkamen, retteten das Manuskript. Aber erst jetzt hat eine der Töchter, Denise Epstein, 75, das unvollendete Werk publiziert. Schon vor der Preisverleihung wurde »Suite française« (Editions Denoël) mit 45 000 verkauften Exemplaren ein beachtlicher Erfolg, die Rechte sind inzwischen in 19 Länder vergeben. Irène Némirovsky, die im literarischen Vorkriegs-Paris Freunde wie Jean Cocteau hatte, unterschätzte mit ihrem Mann die tödliche Gefahr, in der sie als staatenlose Jüdin nach den Vichy-Gesetzen schwebte. Am 13. Juli 1942 holten französische Gendarmen sie ab.