Am Rande Später Freispruch
Der einzige unempfindliche Teil des Penis, so ein geflügeltes Wort in Femi-Zirkeln, sei dessen Träger, der Mann; und kein Poet stand je so im Ruch chauvinistischer Herzlosigkeit wie der Brite Ted Hughes, Witwer einer feministischen Ikone, der amerikanischen Morbid-Poetin Sylvia Plath.
Die hatte, latent todessüchtig, im Jahre 1963 Selbstmord begangen, indem sie den Kopf in den Gasherd steckte. Die giftigen Schwaden zerfraßen auch das Bild des Witwers; Mordbube mußte er sich nennen lassen, auf Sylvias Grabstein wurde das »Hughes« weggemeißelt. Die Tote wuchs zur Heiligen Johanna des Geschlechterkampfes.
Doch der Unhold war keiner. Er, der, wie es sich gehört, zu all den Anwürfen geschwiegen hatte, reißt nun sein Herz auf, nach 35 Jahren, und siehe: Es ist keine Mördergrube, vielmehr Wunde und Wunder zugleich. In einem Gedichtband mit dem Titel »Birthday Letters« ruft Ted Hughes, längst »poet laureate« (Hofdichter), die Liebes- und Leidensjahre mit Sylvia zurück. »Zärtlich«, »witzig«, »besorgt« seien die 88 Poeme, schwärmte ein Kollege; eine Kollegin verneigte sich vor dem »bewegendsten Buch des größten lebenden Poeten Englands«.
Freigesprochen, der Mann; zu Recht. Vom Tag, »da das Sonnensystem uns vermählte«, bis zum bitteren Ende reichen die Verse, von Sylvias »langen, perfekten, amerikanischen Beinen« bis zu ihren Augen, »unglaublich strahlend, wie ein Gedränge von Tränen«. Und im Arm lag sie »schlank und geschmeidig und glatt wie ein Fisch«.
Hughes, 67, ist rehabilitiert. Männer sind doch die besseren Frauen. (Nicht weitersagen.)