Spione im Schnee - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 42 / 56

FILM / NEU IN DEUTSCHLAND Spione im Schnee

• aus DER SPIEGEL 32/1967
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der doppelte Mann (England). Der Spionage-Thriller, letzthin häufig in Berlin lokalisiert, wird vom Regisseur Franklin J. Schaffner neuen Höhen zugeführt: Auf Österreichs Alpen, beim fashionablen St. Anton, legen Agenten Schneeschuhe an, liefern Scharmützel in Bergbahnstationen und schnüffeln beim Après-Ski.

In der beschneiten Bergwelt planen die Kino-Kommunisten ein perfides Bubenstück. Sie haben Yul Brynner, den glänzendsten Kopf der CIA, auf dem Operationstisch nachgebaut und wollen nun das Duplikat mit dem Original vertauschen.

Brynner spielt den Spion, der in die Kälte kam, als den alten Brutalnik mit der gepanzerten Seele: Furchtlos tritt er auf vereiste Pisten und vor drohende Pistolen, und ohne erotisches Vergnügen reißt er der blonden Britt Ekland das teure Kleid vom Leib.

Der naheliegenden Versuchung, das Brynnersche Doppelspiel zum nervenzerrenden Who"s-who-Raten zu verschärfen, Ist der Regisseur nicht erlegen. Der so bloß mäßig gefesselte Kinogänger kann gut den roten vom rechten Brynner unterscheiden, und nur gelegentlich muß er bangen, ob die Leute im Film auch so klug sind.

Stärker versuchte den Regisseur das alpine Österreich -- nicht immer zu objektiver Darstellung. Schaffners Bergbewohner tragen auch im Winter Sepplhosen, und ein österreichischer Beamter, kurz vor der Pensionierung, verspricht: »Morgen kündige ich.«

Zur Ausgabe
Artikel 42 / 56