Sprache
Zur »sprachlichen Abwehr der Denkmaschine«, nämlich der »mit dem Computerwesen heraufziehenden Gefahren einer geistigen Versklavung«, mochte der emeritierte Bonner Keltologe und Sprachwissenschaftler Leo Weisgerber, 72, durch Wortschöpfungen beitragen. »Computer« ersetzte der Gelehrte zunächst durch »Verdater«; schließlich tastete er sich über »Dater« kühn zum »Erdater« vor. Weil im »Erdater« sozusagen der Prozeß der Datenverarbeitung vom Menschen bis zur Maschine »erwortet« werde, sei er dem bloß statischen und überdies fremdländischen Begriff »Computer« überlegen. Folgerichtig speichert man die Produkte solchen erdeutschten »Erdatens«, die »Erdatnisse«, in einer »Datei« (vulgo: Datenbank). Weisgerber, der seit Jahrzehnten um die Muttersprache ringt, war schon zu NS-Zeiten (so »Die volkhaften Kräfte der Muttersprache«, 1939, oder »Deutsch und Welsch«, 1944) dabei, eine »Mauer« aufzurichten, »an der schließlich der sprachliche Rückschlag zum Stehen kommt«. Die neuen »Sprachzugriffe« des Linguisten -- enthalten in der Festschrift für seinen Kollegen Alfred Hoppe ("Grammatik, Kybernetik, Kommunikation«. Dümmlers Verlag; 38 Mark) -- heben sich denn auch von den Beiträgen der übrigen 20 Sprachforscher durch einen gewissen Missionseifer ab; sie sind »gezielt eingesetzt« (Weisgerber).