Ständig unheimlich - DER SPIEGEL
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FILM / NEU IN DEUTSCHLAND Ständig unheimlich

Im Visier des Falken (England, Farbe). Zwei entlaufene Gefangene, Mac und Ansell, sind auf der Flucht. Anfangs gefesselt, später frei beweglich und bewaffnet, türmen sie, von einem dauernd über ihnen kreisenden Hubschrauber verfolgt, meist durch karstiges Niemandsland zur nächsten Grenze.
• aus DER SPIEGEL 49/1970
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Mehr hat der Regisseur Joseph Losey in seinem 24. Spielfilm nicht zu bieten -- wenig ist es dennoch nicht. Denn Losey, der in seinen letzten Filmen ("Accident -- Zwischenfall in Oxford«, »Brandung") sublime Seelenqual in Bürgervillen zur Schau stellte, inszeniert die Fluchtbewegung mit plötzlichen Feuergefechten, Bombenabwürfen und kameradschaftlichen Zerwürfnissen auch diesmal wie einen Psycho-Thriller.

Was seine Helden denken, hoffen, befürchten, das hat Losey freilich erstmals nicht mit Worten, sondern mit Kamera-Schüssen ausgedrückt: Aufnahmen von Stauden, Gräsern und Staub sind ihm atmosphärisch ebenso wichtig wie die spärlichen, aus ihrer Notsituation bedingten Verzweiflungstaten der Flüchtlinge: Mac tötet einen Ziegenhirten und knallt den Kopiloten des Hubschraubers ab; Ansell, die rettende Grenze vor Augen, ersticht einen Wachtposten.

Loseys Film, in dem so wenig geschieht, ist ständig unheimlich, ohne daß der Betrachter weiß warum. Die Kamera-Führung ist klar, fast simpel. Die beiden Ausreißer sind -- abgesehen davon, daß der Regisseur aus rätselhaftem Grund verschweigt, woher sie kommen und wohin sie fliehen -- nach dem Klischee gängiger Action-Filme entwickelt. Die Unbestimmbarkalt von Ort und Zeit legt existentialistische Symbolwirkungen nahe. Doch vor allem ist Loseys 24. Spielfilm unglaublich spannend.

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