FILM / NEU IN DEUTSCHLAND Ständig unheimlich
Mehr hat der Regisseur Joseph Losey in seinem 24. Spielfilm nicht zu bieten -- wenig ist es dennoch nicht. Denn Losey, der in seinen letzten Filmen ("Accident -- Zwischenfall in Oxford«, »Brandung") sublime Seelenqual in Bürgervillen zur Schau stellte, inszeniert die Fluchtbewegung mit plötzlichen Feuergefechten, Bombenabwürfen und kameradschaftlichen Zerwürfnissen auch diesmal wie einen Psycho-Thriller.
Was seine Helden denken, hoffen, befürchten, das hat Losey freilich erstmals nicht mit Worten, sondern mit Kamera-Schüssen ausgedrückt: Aufnahmen von Stauden, Gräsern und Staub sind ihm atmosphärisch ebenso wichtig wie die spärlichen, aus ihrer Notsituation bedingten Verzweiflungstaten der Flüchtlinge: Mac tötet einen Ziegenhirten und knallt den Kopiloten des Hubschraubers ab; Ansell, die rettende Grenze vor Augen, ersticht einen Wachtposten.
Loseys Film, in dem so wenig geschieht, ist ständig unheimlich, ohne daß der Betrachter weiß warum. Die Kamera-Führung ist klar, fast simpel. Die beiden Ausreißer sind -- abgesehen davon, daß der Regisseur aus rätselhaftem Grund verschweigt, woher sie kommen und wohin sie fliehen -- nach dem Klischee gängiger Action-Filme entwickelt. Die Unbestimmbarkalt von Ort und Zeit legt existentialistische Symbolwirkungen nahe. Doch vor allem ist Loseys 24. Spielfilm unglaublich spannend.