BUCHMARKT Starke Stellen
Die auf schnellen Konsum erpichte Info-Gesellschaft fordert auch von der Literatur ihren Tribut. Wer sich in den Achtzigern der literarischen Verarbeitung sexueller Ausschweifungen widmen wollte, nahm sich vielleicht die Zeit für den vollständigen Marquis de Sade, wer ein Säuferschicksal mitempfinden wollte, las etwa Joseph Roths »Legende vom heiligen Trinker«. Heute servieren die Verlage gern so genannte literarische Medleys, bloße Aneinanderreihungen von scharfen Stellen: »Die allerneueste klassische Sau« (Haffmans Verlag) etwa bietet die heftigsten Passagen »literarischer Hocherotik«, der Sammelband »Sternhagelvoll« (Aufbau Taschenbuch Verlag) verspricht »überraschend abwechslungsreiche« Kurzprosa zum Thema »Rausch, Ekstase, Kater«. Zum Durchlesen sind solche Handbücher nicht gedacht, wer's doch versucht, fühlt sich, als habe er ganz für sich allein Viagra mit Schnaps heruntergespült. Kurz gesagt: Man kriegt nichts als einen dicken Kopf davon.