Stechende Blicke - DER SPIEGEL
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ESOTERIK Stechende Blicke

• aus DER SPIEGEL 8/1998
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Der Mensch mit »fleischigem Rumpf und kleiner Stirn« geht geistarmen Berufen nach - ist Metzger oder Wirt. Den »Verbrechertyp« identifizieren Eingeweihte an »überspitzter Gesichts- und Schädelform, stechendem Blick«. Der typische Polizist trägt schwer an seinem »großen, knochigen Körperbau": Derlei psychophysiognomischen Unfug lehrte im 19. Jahrhundert der Porträtmaler Carl Huter. Die Nazis waren seine gelehrigsten Schüler, und noch heute hat Huter emsige Jünger - in der deutschen Esoterik-Szene. Das niedersächsische »Institut für Psycho-Physiognomik« etwa unterrichtet nun auch »Gesichtsausdruckskunde«, mit deren Hilfe »charakterologische Defizite« entlarvt werden sollen. Bisweilen reicht für diese Beweisaufnahme ein einziges Wochenend-Seminar, beispielsweise in der »Bayerischen Gesellschaft für Ganzheitliche Medizin«. Eine Wuppertaler Spökenkieker-Agentur, das »Institut Kappel«, hat dem Aberwitz sogar schon eine Berufsbezeichnung verpaßt. Für 975 Mark werden Stirnforscher, per Fernkurs, zum »Diplom-Antlitzdiagnostiker« ausgebildet.

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