Stolze Ausnahme - DER SPIEGEL
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LITERATUR Stolze Ausnahme

Die amerikanische Literaturagentin Jennifer Lyons, 38, über das neue Interesse an der deutschen Literatur
• aus DER SPIEGEL 28/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Frau Lyons, Sie arbeiten in New York als Agentin für deutsche Autoren. Haben die auf dem amerikanischen Markt überhaupt eine Chance?

Lyons: Durchaus. Der Erfolg von Bernhard Schlinks Roman »Der Vorleser« hat viele Verleger und auch das Publikum neugierig gemacht. Die deutsche Literatur wird international wieder interessant.

SPIEGEL: Was ist anders geworden?

Lyons: Die deutschen Schriftsteller galten bei uns lange Zeit als zu intellektuell, zu verkopft. Nun wird wieder mehr erzählt. Ich vertrete in New York einzelne Autoren sowie deutsche Verlage und Agenturen. Natürlich fühle ich mich mit meinem Angebot - vom Jungstar Benjamin Lebert bis zum Altmeister Siegfried Lenz - als Minorität, als stolze Ausnahme.

SPIEGEL: Wie kamen Sie als Amerikanerin dazu?

Lyons: Ich habe mit einem Fulbright-Stipendium zwei Jahre in Wien studiert, viele Freunde gefunden und meine Liebe zur deutschen Literatur entdeckt.

SPIEGEL: Sie verkaufen umgekehrt auch US-Literatur nach Deutschland ...

Lyons: ... zum Beispiel Binnie Kirshenbaum und Melvin Bukiet.

SPIEGEL: Es heißt, Ihre Kollegen in New York würden sich gelegentlich über deutsche Verleger amüsieren, die sich gegenseitig mit Honoraren überbieten, um US-Rechte einzukaufen?

Lyons: Stimmt, die anderen europäischen Verleger sind da zurückhaltender. Aber natürlich freuen sich die Agenten bei uns darüber - und stoßen sich gesund.

SPIEGEL: Sie waren jetzt Gast beim Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Hat es Ihnen gefallen?

Lyons: Zunächst war ich schockiert: Es kam mir vor, als würden die Autoren öffentlich gelyncht. Dann habe ich festgestellt: Die Autoren halten das aus. Und die Diskussionen waren sehr lebendig.

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