Dass die zweite Staffel einer Serie noch grandioser als die erste ist, kommt nicht häufig vor. Bei »The Bear« allerdings ist jede Folge der Fortsetzung so fulminant, dass man sie nicht vergisst. Kurzer Recap: In den ersten Episoden baute der Koch Carmen »Carmy« Berzatto (Jeremy Allen White) den Imbiss seines verstorbenen Bruders in ein Diner um. Er hatte den Laden in Chicago geerbt, samt Personal, das sich zunächst gegen seine Veränderungen sträubte. Und auch Carmy hatte einiges zu verkraften, etwa die posttraumatische Belastungsstörung aus der toxischen Sterneküche, in der er bisher schuftete. In der zweiten Staffel der von Christopher Storer erdachten Dramedy soll sein Restaurant auf Michelin-Niveau umgestaltet werden. Aber Baumängel, fehlende Lizenzen, dazu Ehrgeiz und der psychosoziale Stress einer zum Teil dysfunktionalen (Arbeits-)Familie lassen das Projekt kippeln. Alle liebevoll ausgestalteten Figuren haben so zu kämpfen, dass man beim Zuschauen die Nägel in die Handflächen gräbt. Vor allem »Cousin« (Ebon Moss-Bachrach) findet weder seine Rolle im Leben noch in der Küche – bis er in einem echten Sterneladen hospitiert und beim Gabeln polieren und Pilze häuten etwas lernt, das man auch als Zuschauer häufig vergisst: Demut, vor den kleinen und großen Dingen des Lebens.