FILM »Stummer Aufschrei«
SPIEGEL: Herr Helmer, in Ihrem Film lebt ein versponnener Typ in einem maroden Schwimmbad, das er vorm Abriss retten will. Dabei wird kaum gesprochen. Misstrauen Sie der Sprache?
Helmer: Ja. Wörter verwirren mehr, als dass sie der Verständigung dienen. Mein Film ist ein stummer Aufschrei gegen das Endlosgequassel in Kino und Fernsehen. Da meine Figuren kaum reden, gewinnen die Bilder eine besondere Kraft. »Tuvalu« ist aber kein Stummfilm.
SPIEGEL: In dem Film ist eine Badeanstalt ein Ort der Sehnsüchte. Sind die Menschen nur im Wasser glücklich?
Helmer: Bäder sind wunderbare Orte. Fremde treffen aufeinander, zeigen sich fast unbekleidet in ihrer Schönheit - oder Hässlichkeit. Diese alten Schwimmbäder teilen das Schicksal der Kinopaläste: Als Bauwerke einer vergangenen Epoche sind sie dem Untergang geweiht. Meine Figuren hängen diesen Zeiten nach.
SPIEGEL: Und das gern freizügig. Ihre Hauptdarstellerin Chulpan Hamatova badet in einer Szene nackt.
Helmer: Sie bezichtigte mich, eine Softpornoszene drehen zu wollen. Jetzt gefallen ihr diese Einstellungen am besten.
SPIEGEL: Sie haben den Film in Schwarzweiß gedreht, dann aufwendig koloriert. Wozu dieses künstliche Stilisieren?
Helmer: Die Verfremdung der Farben erlaubte, eigene Stimmungen zu schaffen.
SPIEGEL: Warum spielen in »Tuvalu« keine deutschen Schauspieler mit?
Helmer: Sie sind zu teuer. Der Film durfte nur 1,7 Millionen Mark kosten. Da konnte ich mir keine heimischen Akteure leisten. Ein Abgänger der Schauspielschule verlangt 2500 Mark pro Drehtag. Und hat er mal Til Schweiger die Hand geschüttelt, will er 2000 Mark extra.