TAT-Krise -letzte Runde?
Erst kündigte der größte Teil der Führungsmannschaft dem Direktor die Gefolgschaft auf, am vergangenen Dienstag schließlich warf der Verwaltungsleiter den Bettel hin -- das Frankfurter »Theater am Turm« (TAT) schleuderte in die vorläufig letzte Etappe seiner Krise. Angelegt als Forum für alle, »die ihre Ideen und Vorstellungen auf konventionelle Weise oder aus finanziellen Gründen anderswo nicht umsetzen wollen und können«, so TAT-Direktor Peter Hahn im vergangenen Jahr, soll das Experimentiertheater freien Gruppen Spielraum und fachmännischen Beistand bieten. In dieser Spielzeit stellte das TAT 18 seiner 52 Produktionen in Eigenregie her, die anderen waren Gastspiele. Hahn, so der Vorwurf der Abtrünnigen an den ehemaligen Organisator des Berliner Theatertreffens, pflege den »Spielplan eher nach den Erfordernissen seines Flugplans« zusammenzustellen, über die sehnlichst gewünschte »Konzeption« des einst hoch gelobten Theaters, an dem, beispielsweise, Peter Handkes »Publikumsbeschimpfung« uraufgeführt wurde und Rainer Werner Fassbinder wirkte, habe er jedoch niemals grundsätzlich nachgedacht; so drohe das Theater zur reinen Gastspielstätte zu verkommen. Ende der Woche konterte Hahn ("alles nur persönliche Querelen") mit seinem Rohentwurf für die kommende Spielzeit: eine Koproduktion, dreimal die Erfolgsgruppe der jetzt ablaufenden Saison (der argentinischen Grupo Accion Instrumental), und vieles »in Richtung Lied« (Hahn) für ausländische Arbeiter im TAT-Nebenraum Theater-Cafe. Und für Gebildete: im März eine »Entmystifizierung« des Altfrankfurters Goethe. Experimentiertheater ist, wenn's irgendwie weitergeht.