Tatort heute aus Kiel mit Tom Wlaschiha - Check - DER SPIEGEL
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Borowski-"Tatort": Der Kampf der Straße

Foto: ARD

ARD-Sonntagskrimi Der neue Kiel-"Tatort" im Schnellcheck

Willkommen im Getto. Borowski steigt in die Kellerlöcher von Kiel-Gaarden, Kollegin Brandt wird mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert. Trotz "Game of Thrones"-Hilfe ein ziemlich trister "Tatort".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was ist das Thema?

Das Kieler Problemviertel Gaarden und seine verwahrlosten Kinder. Nach dem Mord an einem pädophilen Hartz-IV-Empfänger ermitteln Kommissar Borowski (Axel Milberg) und seine Kollegin Brandt (Sibel Kekilli) unter Jugendlichen, die schon alles gesehen haben. Man besäuft sich mit Schnaps, schaut zur Unterhaltung Pornos und schläft in Kellerlöchern.

Wie blutig ist die neue Folge?

Nicht sehr blutig, aber sehr hart. Die Ermittler steigen in eine Welt hinab, in der die Kindheit abgeschafft wurde.

Gibt es einen gesellschaftspolitischen Auftrag?

Ja, einen sehr klaren Auftrag sogar. Unterstützt wurde dieser Sozio-Krimi von dem Kieler Netzwerk gegen Kinderarmut, das sich auch um die Halbwüchsigen von Gaarden kümmert. Einem Stadtteil, in dem laut Netzwerk 48,4 Prozent der Kinder unter 15 Jahren in einkommensarmen Familien wohnt.

Pädophilie-"Tatort" aus Kiel
3 Min

D er beste Auftritt?

Der deutsche Schauspieler Tom Wlaschiha, bekannt aus der Serie "Game of Thrones", als Polizist Thorsten Rausch, der breitbeinig durch sein Revier Kiel-Gaarden spaziert. Sonnenbrille auf - Hose bei den Hausbesuchen einsamer Mütter auch schon mal runter. Gegenüber den Kollegen nennt der Cop die Schäferstündchen "Revierpflege". Wlaschiha spielt gekonnt doppelbödig, er ist Macker und Opfer in einem.

Wer sind die Filmemacher?

Regisseur Florian Gärtner hat zuvor Komödchen wie "Sex Up - Jungs haben's auch nicht leicht" und Ambitioniertes wie die Siegfried-Lenz-Verfilmung "Das Feuerschiff" gedreht. Der Borowski-Krimi ist sein erster "Tatort". Eva Zahn und Volker A. Zahn haben vor allem durch kluge Sozialdramen wie "Mobbing" auf sich aufmerksam gemacht. Außerdem haben sie das Buch zu dem außergewöhnlich düsteren 25-jährigen Odenthal-Jubiläum "Blackout" geliefert.

Und: Können wir das alles glauben?

Leider nein. Es ist zwar interessant, dass die Filmemacher die üblichen Problemfilmstanzen mit Western-Elementen aufzubrechen versuchen. Dadurch gibt es aber auch einfach zu viele unglaubwürdige Passagen.

Lohnt das Einschalten?

Nicht wirklich. Das Thema Verwahrlosung und Pädophilie wird leider nicht auf eine neue Ebene gehoben, die Ermittler wirken im Brennpunktbezirk bei aller Mühe deplatziert. Da hilft es auch nicht, dass der Zuschauer jetzt von Sarah Brandts harter Getto-Vergangenheit erfährt: Drei Brüder hat die Kommissarin, einer unnützer als der andere. Nur für eingeschworene Exegeten des Kieler "Tatort" interessant.

Und wenn ich trotzdem mehr über diesen "Tatort" wissen will?

Dann bitte hier weiterlesen!


"Tatort: Borowski und die Kinder von Gaarden", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

cbu