»Tatort« heute aus Weimar: »Der feine Geist« im Schnellcheck - DER SPIEGEL
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ARD-Neujahrskrimi mit Ulmen und Tschirner Der Weimar-»Tatort« im Schnellcheck

Melancholie über der Stadt, Polizisten beim Rilke-Rezitieren: Der Weimar-»Tatort« lässt seine Sturm-und-Drang-Phase hinter sich und holt zum romantischen Rundumschlag aus.
Ungewohntes Doppel für Weimar: Kurt Stich (Thorsten Merten) und Kira Dorn (Nora Tschirner) auf Lauschposten
Ungewohntes Doppel für Weimar: Kurt Stich (Thorsten Merten) und Kira Dorn (Nora Tschirner) auf Lauschposten

Ungewohntes Doppel für Weimar: Kurt Stich (Thorsten Merten) und Kira Dorn (Nora Tschirner) auf Lauschposten

Foto: Steffen Junghans / MDR
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Das Szenario:

Wehmut in Weimar. Dorn (Nora Tschirner) muss solo den Mord an einem Geldboten untersuchen, nachdem Lessing (Christian Ulmen) bei den Ermittlungen angeschossen wurde. Ganz allein ist sie dann aber doch nicht bei der Arbeit, da ihr Kollege und Ehemann mit Rilke-Zitaten und Liebesbotschaften im Hintergrund rumspukt, während die Stadt unter einem Schleier aus Melancholie liegt.

Der Clou:

Ein Krimi in Moll, der Sehnsucht statt Mordlust verbreitet. Die »Bild«-Zeitung glaubte nach eher bescheidener Recherche zu wissen, dass dies definitiv der letzte »Tatort« mit Christian Ulmen sein würde. Für die »Bild«-Reporter sei noch mal das Nietzsche-Bonmont angeführt, das auch in diesem zitatsatten Krimistück vorkommt: »Glaube heißt Nicht-wissen-wollen, was wahr ist.« Das Ende des Lessing/Dorn-»Tatort« ist längst keine beschlossene Sache. Lesen Sie am Samstag in unserem Artikel zum »Tatort«-Vote, wie es in Weimar weitergehen könnte.

Lessing lässt sich entschuldigen: Dorn und Stich müssen diesmal alleine in Weimar ermitteln.

Lessing lässt sich entschuldigen: Dorn und Stich müssen diesmal alleine in Weimar ermitteln.

Foto: Steffen Junghans / MDR

Das Bild:

Eine himmlisch weiße Droschke mit gelbem Taxi-Schild. Der angeschossene Lessing lässt sich in dem Gefährt durch eine Gasse in die Notfallambulanz kutschieren. Weimar wie aus der Zeit gefallen.

Der Dialog:

Dorn spricht mit Revierleiter Stich (Thorsten Merten) über eine Frau, die in den Fall involviert ist und die es zu observieren gilt.

Stich: »Meike und ich, wir waren damals Nachbarn. Wir haben uns zum ersten Mal im Treppenhaus gesehen und sind gleich übereinander hergefallen wie ostaustralische Beutelmäuse.«

Dorn: »Ach, die kenne ich. Die bumsen, bis das Männchen stirbt, nä?«

Stich: »Frau Dorn! Es war eine Energie, die war nicht von dieser Welt.«

Dorn: »Ach Chef, wir waren doch alle schon mal des Wahnsinns fette Beutelmaus.«

Der Song:

»Eisgekühlter Bommerlunder«  von den Toten Hosen. Wird hier vom Schupo Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey) ein weiteres Mal in »heißgerührte Schokolade« umgedichtet und auf dem Fahrrad gesummt. Später stellt Kaba-Cop Lupo einen Hightech-Schokoladen-Automaten mit einem Dutzend Kakao-Variationen im Revier auf.

Die Bewertung:

8 von 10 Punkten. Rilke-Rezitationen über das Jenseits, Stimmen aus dem Geisterreich und Liebesbeziehungen, die über Zeit und Raum erhaben sind – der »Tatort« aus dem Goethe-Hotspot lässt seine Sturm-und-Drang-Phase hinter sich und holt zum romantischen Rundumschlag aus.

»Tatort: Der feine Geist«, Neujahr, 20.15 Uhr, Das Erste