ARCHITEKTUR Tel Avivs weiße Moderne
Nach der Entscheidung der Unesco, die im Bauhaus-Stil errichteten Stadthäuser Tel Avivs zum Weltkulturerbe zu erklären, hoffen die Bauhaus-Freunde in Israel nun auf einen Durchbruch beim Erhalt der architektonischen Raritäten. Denn viele der weißen Gebäude mit den typischen kubischen Formen, langen Balkonen und schmalen Fenstern sind in der salzigen, feuchten Seeluft der Mittelmeermetropole vom Verfall bedroht. »Das Bauhaus in Tel Aviv ist in Gefahr«, klagt der Architekt Nachum Cohen. Nur wenige der rund 2000 Gebäude wurden bisher renoviert, da die Eigentümer oft die hohen Kosten scheuten. Auch das Denkmalschutzgesetz sei zu schwach. Vor allem aber, bemängeln städtische Denkmalpfleger, fehle es in Israel am Bewusstsein für den Wert dieses grandiosen architektonischen Erbes. »Jetzt wird hoffentlich klar, dass es sich lohnt, in die Gebäude zu investieren«, sagt Micha Gross vom Bauhaus-Zentrum Tel Aviv. Als die Häuser der so genannten weißen Moderne von jüdischen Avantgarde-Architekten aus Europa geschaffen wurden, die vor dem Nazi-Terror geflohen waren, feierte man die neue, funktionale Bauweise noch als Ausdruck des zionistischen Gründergeistes. Doch schon Ende der vierziger Jahre verlor das Bauhaus in Israel an Popularität.