Tempel im Dorf - DER SPIEGEL
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KUNSTPROJEKTE Tempel im Dorf

Wilhelm Koch, 40, Grafiker und Bildhauer, über seinen Plan, im oberbayerischen Etsdorf, gleich neben der künftigen Autobahn Nürnberg-Prag, einen griechischen Tempel aus Hochtechnologiebeton zu errichten
• aus DER SPIEGEL 5/2005
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SPIEGEL: Herr Koch, Ihr Vorbild ist die klassizistische Glyptothek vom Münchner Königsplatz. Was haben die Säulenreihen eines nachempfundenen griechischen Tempels mitten in der bayerischen Provinz zu suchen?

Koch: Etsdorf ist mein Heimatort. Schon in manchen meiner früheren Installationen kommt es auf den Raum an. Ich gehe gern ins Museum, und die Münchner Glyptothek ist für mich eines der schönsten Museen. Die Säulenhalle als moderne Formulierung eines griechischen Tempels hat mich zu dem Projekt inspiriert.

SPIEGEL: Sind Ihre Pläne schon konkret?

Koch: Im Moment verhandle ich noch um das Grundstück, aber es sieht ganz gut aus. Auch vom Gemeinderat kamen schon positive Signale. Dabei kommt das Projekt aus dem Nichts, es gibt keinen Auftraggeber.

SPIEGEL: Vielleicht wenigstens ein paar Mitstreiter?

Koch: Ja, zum Beispiel einen Schirmherrn und Fachplaner. Auch für einige Säulen des Tempels habe ich schon Sponsoren. So etwas geht in der Provinz in jedem Fall leichter als in der Großstadt; ansässige Firmen machen mit. Das ist für mich als Künstler der Idealzustand: Ein Projekt entsteht, weil viele es unterstützen.

SPIEGEL: Wozu soll Ihr Heiligtum an der Autobahn einmal dienen? Als Hingucker und Ruhepunkt für Reisende? Als Kulturraststätte?

Koch: Erst einmal als gigantischer Hinweis auf die Münchner Glyptothek und das, was sie für mich repräsentiert: die griechische Kultur. Außerdem könnte das Bauwerk ein Wahrzeichen für Etsdorf sein. Das soll hier natürlich kein Remmidemmi-Dorf werden, aber es wäre doch wunderbar, wenn es sich zu einem Ort für Kunst entwickelt.

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