LITERATUR Terror gegen Trotzköpfchen
Liebe ist nur ein Traum, Glück der kurze Schlaf des Schreckens. Wehe, wenn der Wecker klingelt. Thomas Moran, 51, ein US-Autor, der sich nach 20 Journalistenjahren auf das Schreiben von Romanen verlegt hat, huldigt auch in seinem dritten Buch der traurigen Gewissheit des Kirchenchorals »Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen«. Dabei klingen die ersten Kapitel des Romans »Wasser trage mich« gar nicht düster: Es scheint, der Autor wolle den Leser mit säuselndem Erzählton und mit einem in Irland spielenden Jungmädchen-Roman bezaubern. Da wächst die Waise Una Moss bei ihrem Großvater heran, einem schrulligen Saufkopp. Schule, Uni, Mädchenfreundschaften - all das fließt Moran raffiniert-unschuldig und irisch-frisch aus der Feder. Auch als das blauäugige Trotzköpfchen bei einem technischen Zeichner namens Aidan Farrel die Liebe kennen lernt, behält der Roman sein heiteres Jungmädchen-Parlando bei. Natürlich ahnt der Leser, dass das nicht alles gewesen sein kann. Aber Moran wölbt den Spannungsbogen genüsslich weiter und weiter. Dann, in wenigen wuchtigen Schlusskapiteln, schießen die Pfeile des wütenden Geschicks auf die arme Una herab: Die Großvaterwelt wird durch einen Fememord der IRA erschüttert, Aidan erweist sich als ein gemeiner Terrorist der Organisation, die Heldin zerbricht in den Polizei-Kerkern der irischen Garda, die gegen die IRA kämpft. Das Thema Terror hat aber auch den Roman in zwei Teile zerrissen; allzu effekthascherisch spekuliert das Buch auf diesen Bruch - ein Rückschritt gegenüber dem Vorgängerroman »Ein Hauch von Leben«. Darin hatte Moran die Liebesphantasien und die wachsende Verzweiflung eines Sterbenden mit zarter Komik bis zum Ende begleitet.
Thomas Moran: »Wasser trage mich«. Aus dem Amerikanischen vonGwynneth und Peter Hochsieder. Lichtenberg Verlag, München; 304Seiten; 36,90 Mark.