AUKTIONEN Teurer Kneipenbummel
Ein vertracktes Kapitel hat auch verflixt gründliche Vorarbeit nötig - so muss James Joyce gedacht haben, als er die drittletzte Episode seines epochalen Romans »Ulysses« immer wieder abänderte und anreicherte. Der so genannte »Eumaios«-Abschnitt schildert, wie die beiden endlich vereinten Helden des Buchs nach Mitternacht in einer verrufenen Kutscherkneipe von Dublin landen; dann aber streift das Palaver unter den bezechten Gästen fast alle wichtigen Themen des Werkes: Irland, Frauen, Sozialismus, Literatur, Musik und Vatersuche. Dass Joyce mit den zahllosen Anspielungen große Mühe hatte, wussten die Spezialisten schon; aber nur für etwa zwei Drittel des Textes konnten sie Entwürfe in frühen Manuskripten nachweisen. Desto stolzer präsentiert nun das Londoner Auktionshaus Sotheby's einen Fund: An diesem Dienstag wird dort ein bislang unbekannt gebliebenes Joyce-Notizheft versteigert, das wesentliche, noch nicht ausgewertete Vorarbeiten zum »Eumaios«-Kapitel enthält. Auf den ersten Blick wirken die Blätter wie eine kreuz und quer in vielen Farben bekritzelte und ausgestrichene Kladde. Welchen Wert die Reliquie für Kenner hat, zeigt allerdings schon der Preis: Über zwei Millionen Mark soll das 48-Seiten-Heftchen bringen.