Theater
Zimmertheater -- gibt"s die noch? Noch mit Erfolg? Es sieht heute, zwei Jahrzehnte nach ihrer Hoch-Zeit, der Notzeit der ersten Nachkriegsjahre, tatsächlich nicht mehr danach aus. Um so beachtlicher erscheint eine Ausnahme: das Tübinger Zimmertheater. Dieses 1958 eröffnete, von dem Tänzer und Regisseur Salvatore Poddine, 35, und dem Regisseur und Autor Axel Plogstedt, 31, geleitete Institut hat sich -- mit einem zehnköpfigen Ensemble und bei einem Jahresetat von 200 000 Mark -- als wohl erfolgreichste deutsche Kleinbühne profiliert. Namentlich das neuerdings mächtig wachsende Auslands-Renommee beweist es: Die Tübinger spielten 1970 beim Internationalen Theaterfestival von Madrid und gastierten in Mailand. Bologna und Rom. Und in diesem Jahr wurden sie, oft als einzige deutsche Gruppe. meistens mit ihren Inszenierungen von Ghelderodes »Ballade vom großen Makabren« und Handkes »Das Mündel will Vormund sein« schon geradezu verschwenderisch eingeladen: zum »Festival mondial du théâtre« in Nancy, zum »Fringe Festival« in Edinburgh, zu den Zürcher Juni-Festwochen, zum »Festival du jeune théâtre« in Lüttich, zu einem Avantgarde-Theaterfestival in Breslau, Mitte Oktober, zu Auftritten in Baalbek, Rom und Spoleto sowie zu Tourneen durch Frankreich und Skandinavien.