Theater
»Ich bin nicht mehr Theaterchef, sondern ein Schauspieler wie jeder andere. Barrault ist tot« -- das große solidarisierende Wort, im Mai 1968 vom Mimen und Direktor des staatlichen »Théatre de France« Jean-Louis Barrault zu den revoltierenden Studenten gesprochen, die sein Schauspielhaus besetzt hatten, soll nicht mehr so gemeint gewesen sein. Und zu Unrecht will Barrault dafür vom Kulturminister Malraux geschaßt worden sein. »Mit kecker Ironie« nämlich, so wendet er es jetzt in seinen in Paris erschienenen »Erinnerungen für die Zukunft«, habe er damals nur »parlamentiert«, und das »auf Weisung« des Ministers. So habe er es auch, per eigenhändig zugestelltem Brief, dem Dienstherrn in Erinnerung zu bringen gesucht. Der aber, schreibt Barrault, »schüttelte den Kopf mit schiefem Blick und miesem Lächeln und verschwand«. Wofür sich der verkannte Ironiker, vom Malraux-Nachfolger Duhamel inzwischen zum Chef der »Theater der Nationen«-Festspiele befördert, nun mit Schadenfreude entschädigt: »Ein Jahr darauf waren de Gaulle und Malraux selber gefeuert.«