Theater - DER SPIEGEL
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Theater

• aus DER SPIEGEL 10/1972
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Ohne die Intendanten der staatseigenen Bühnen zu konsultieren, faßte der Hamburger Senat einen kühnen Beschluß: Um »alle Möglichkeiten der Einnahmeverbesserung auszuschöpfen« (Kultursenator Reinhard Philipp), soll die Zahl der Premieren-Ehrenkarten bisher pro Theater etwa 500 Stück einheitlich auf 200 limitiert werden. Der Staatsoper, dem Schauspielhaus und dem Thalia Theater sollen durch diese Maßnahme zusammen rund 150 000 Mark Mehreinnahmen zufließen. Die Intendanten betrachten dies jedoch als Fehlkalkulation. Denn nur attraktive Premieren garantieren erhöhten Kartenverkauf; weniger gängige Produktionen, so vermuten sie, finden auch an Premieren-Abenden nicht vor ausverkauftem Hause statt. Den Theaterchefs erscheint die Freikarten-Vergabe als »lohnende Investition. auf die wir nicht aus falschem Puritanismus verzichten möchten« (Ivan Nagel), und sie fürchten eine »Entfremdung zwischen Kunst und Politik« (Boy Gobert), da der gesamte Senat, die Mitglieder des Ausschusses und der Deputation für Wissenschaft und Kunst sowie wichtige Landespolitiker in Zukunft kaum noch ins Theater gehen würden. Ein erster Beweis dafür wurde schon erbracht: Von den jeweils 300 für ehemalige Freiplatz-Inhaber nun zum Kauf reservierten Karten wurden bei der Premiere »Liebes-Schlachten-Lenker« im Thalia Theater ebenso wie bei der »Kabale und Liebe«-Premiere im Schauspielhaus nur je zehn Stück abgesetzt.

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