Thomas zieht in den Oscar-Krieg
Der Historienschinken, für den das alte Hollywood alle Windmaschinen anwarf, seine Statistenheere aufmarschieren und alternde Stars in die Kamera stieren ließ, ist längst eines natürlichen Todes verschieden. Demnächst jedoch sollen Wiederbelebungsversuche vorgenommen werden. Der »Münchhausen«-Produzent Thomas Schühly, 39, ist mit dem Regisseur Oliver Stone ("Platoon") übereingekommen, daß sie gemeinsam, o Zeus!, »Alexander der Große« verfilmen wollen. Der ehemalige Vietnam-Kämpfer Stone träumt davon, D. W. Griffiths Materialschlachten aus den Anfängen Hollywoods noch zu überbieten, der Bonner Autor Gisbert Haefs ("Hannibal") schreibt die Romanvorlage, Tom ("Top Gun") Cruise soll den strahlenden Halbgott Alexander spielen. Mindestens 75 Millionen Dollar will sich Schühly seine Antiken-Leidenschaft kosten lassen. Billiger geht's schon deshalb nicht, weil er Homers »Odyssee«, in der Alexander gar nicht vorkommt, mitverarbeiten will. Um den Erfolg seines vormodernen Spektakels ist Schühly nicht bange: Für sein Schlachtengemälde will er mehr Oscars einheimsen als Bernardo Bertolucci 1988 mit dem »Letzten Kaiser«. Das waren immerhin schon neun.