Tierisch stolz - DER SPIEGEL
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BUNDESFILMPREIS Tierisch stolz

• aus DER SPIEGEL 23/1997
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Regisseurin Caroline Link, 32, über die Nominierung ihres Debüt-Films »Jenseits der Stille« für den Bundesfilmpreis 1997, der am Freitag dieser Woche in Berlin vergeben wird

SPIEGEL: Frau Link, daß Sie gleich mit Ihrem ersten Kinofilm für den Bundesfilmpreis nominiert wurden, muß Sie sehr überrascht haben.

Link: Nachdem der Film jetzt auch im Kino gut gelaufen ist, haben meine Produzenten und ich schon auf die Nominierung gehofft. Daß ich allerdings auch in der Regie-Kategorie nominiert bin, hat mich völlig überrascht. Da hat Helmut Dietl mit »Rossini« sicher die besseren Karten.

SPIEGEL: Die Verleihung des Preises wird glamourös inszeniert. Genießen Sie Glamour?

Link: Für mich bedeuten solche Veranstaltungen vor allem Streß. Ich bin wahnsinnig aufgeregt und überlege seit Wochen, was ich - falls ich einen Preis bekommen sollte - auf der Bühne sagen könnte, um nicht allzu blöd dazustehen.

SPIEGEL: Braucht denn der deutsche Film diese Glamour-Veranstaltungen?

Link: Natürlich. Daß das deutsche Kino und auch die Schauspieler so populär geworden sind, ist doch ein Grund zur Freude. Mein Film hat damit allerdings wenig zu tun. Die meisten meiner Schauspieler sind nicht unbedingt Kinostars.

SPIEGEL: Stört es Sie nicht, daß Ihr ernsthafter Film indirekt vom deutschen Komödienboom profitiert hat?

Link: Absolut nicht. Ohne diese optimistische Entwicklung im deutschen Kino hätten wir unseren Filmverleih gar nicht überzeugen können. Das Umfeld war offen für etwas Neues. Das war vor vier Jahren, als wir zuerst versucht haben, den Film zu finanzieren, ganz anders.

SPIEGEL: Wie stolz sind Sie denn auf den kommerziellen Erfolg Ihres Films?

Link: Darüber freue ich mich sehr. Aber ich bin auch auf etwas anderes tierisch stolz: Die Diskussion um die Anerkennung der Gebärdensprache ist wieder in Gang. Dazu hat mein Film etwas beigetragen. Wenn man schon diesen ganzen mühsamen Apparat des Filmemachens anschmeißt, dann muß es auch sinnvoll sein.

SPIEGEL: Was ist Ihr nächstes Projekt?

Link: Ich arbeite an drei Projekten. Einen Kinderfilm, eine Liebesgeschichte um 1919 und die Geschichte einer Emigrantenfamilie im Kenia der vierziger Jahren. Aus allen drei Stoffen müssen allerdings erst mal richtig gute Drehbücher werden.

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