Torf des Monats - DER SPIEGEL
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Am Rande Torf des Monats

• aus DER SPIEGEL 22/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das ganze Leben ist ein Match, und wir sind nur die Ball-Primaten: Manche finden es schlimm, dass während der Aufwärmphase zur WM die dümmsten und die klügsten (meist männlichen) Köpfe im Ballfieber anschwellen - aber allen Banausen zum Trost wollen wir kurz auf die Kultur stiftende Wirkung des Fußballsports verweisen. Tolle Bücher etwa von Nick Hornby, Ror Wolf, Javier Marías und, naja, Peter Handke sind der Fußballbegeisterung zu verdanken, auch ein paar großartige Filme; vor allem aber ewige Popsongs wie die britische Hymne »Three Lions« ("Football's coming home") und »Fußball ist unser Leben«, der unvergängliche Chorgesang aus den Kniekehlen der deutschen Nationalmannschaft von 1974.

Das alles kühn ignorierend, erklärte nun das neuerdings griesgrämigverblasene Feuilleton der »Süddeutschen Zeitung« ("SZ") die Ausrufung einer kickerlosen Zone: »Für ein fußballfreies Feuilleton« lautete die Devise; des Weiteren war angewidert von »schwitzenden und prustenden Männern« und »kreischenden Zuschauern« die Rede. Nun glauben wir gern, dass sie sich in der Münchner Gelehrtengruft vor Schweiß und Lärm ekeln; dass es aber des Schweißes (und Lärmens) der Edelsten unter den Kreativen wert ist, sich dem Fußball zu widmen, haben sie bei der »SZ« glatt vergessen. Fußball und Feuilleton gehören zusammen wie Leben und Leder - daran ändert auch die Bananenflanke aus vertorften Intellektuellenhirnen nichts. Denn wie sang Franz Beckenbauer auf dem Gipfel seiner Popstar-Karriere: »Gute Freunde kann niemand trennen«.

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