Tränenbad - DER SPIEGEL
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Am Rande Tränenbad

• aus DER SPIEGEL 18/1999
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Nein, diesmal kein Wort über Susan Stahnke, 31, die kluge Blonde mit den großen Augen und den noch größeren Plänen. Nichts darüber, daß sie zwar immer noch kein Hollywood-Star ist, jetzt aber zumindest einen spielen soll - nämlich Zsa Zsa Gabor, 80, und kein bißchen geliftet. Verschwiegen sei, daß Frederic Prinz von Anhalt, Gabors derzeitiger Ehemann, unserer armen Stänkie mit Adoption gedroht hat ("in Las Vegas"). Keiner Erwähnung wert, daß sie die väterlichen Gefühle des feschen Blaublüters zwar galant zurückwies ("weil ich doch meine eigenen Eltern habe"), den Pluralis majestatis aber dennoch schon mal ausprobierte: »Wir denken darüber nach«, sprach Susan - über das Filmangebot und bestimmt auch darüber, wieso diese Topmeldung nicht auf der Titelseite der »Bild«-Zeitung stand, wo sie hingehört, sondern bloß auf Seite 5.

Auch ihre Ex-Kollegin Eva Herman, die andere ehrgeizige Blondine von der »Tagesschau«, möchte über Susan S. nichts mehr sagen. Bereitwilliger spricht sie über den Krieg im Kosovo: »Guten Abend, meine Damen und Herren«, liest Frau Herman, dann folgt der übliche Tagesschauder, die Abenddosis Krieg.

Leider kommt man damit noch nicht in die Zeitung. Das gelingt eher so: »Derzeit«, verkündete Frau Herman in der Münchner »Abendzeitung«, »gehe ich nach den Nachrichten oft raus und weine.« Arme Eva! Früher mußte sie sich zur Ego-PR noch in der Badewanne fotografieren lassen, indes, O-Ton Herman, »alte Gedanken und Erlebnisse sind für mich ein Schritt zurück«. Darum badet sie jetzt lieber öffentlich in den eigenen Tränen. Denn schlimmer als der Meldungshorror im Studio ist nicht etwa der ganz reale Krieg im Kosovo. Schlimmer sind Selbstdarsteller, die nicht in der Zeitung stehen.

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