Tragische Frauen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 85 / 118

THEATER Tragische Frauen

• aus DER SPIEGEL 39/2005
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sie hat erst vier Stücke geschrieben, aber kaum ein Theaterautoren-Nachwuchswettbewerb, und die sind zurzeit schwer in Mode, kommt noch ohne sie aus: Anja Hilling, 30, Studentin des renommierten Studiengangs »Szenisches Schreiben« in Berlin, ist der neue Shootingstar der Branche. Gerade wurde Hilling in der jährlichen Kritiker-Umfrage des Fachblatts »Theater heute« für ihr Stück »Mein junges idiotisches Herz« zur »Nachwuchsautorin der Saison« gekürt. Darin beschließt eine Frau: »Um drei, und zwar pünktlich, bin ich eine tragische Frau«, und sofort ist klar: Der geplante Selbstmord wird nicht nur tragisch, sondern auch ein wenig komisch. Am Schauspiel Köln bringt Regisseur Jasper Brandis jetzt Hillings drittes Stück »Monsun« heraus (Uraufführung am 27. September). Es geht um zwei Paare, die Beziehungsprobleme haben: Der Drehbuchschreiber Bruno (Markus Heinicke) betrügt seine Frau Paula (Sandra Fehmer) und kümmert sich wenig um den achtjährigen Sohn Zippo. Das zweite Paar, Coco und Melanie, überwirft sich wegen Cocos Kinderwunsch. Melanie haut ab und überfährt mit ihrem Wagen ein Kind - es ist Zippo. Dann kreuzen sich die Wege: Bruno lernt Melanie kennen und erfährt, dass sie die Frau ist, die seinen Sohn totgefahren hat. Ein großes Drama, knapp und lakonisch aufgeschrieben. Der nächste Wettbewerb wird kommen.

Zur Ausgabe
Artikel 85 / 118