SWR-"Tatort": Arme Schwaben, reiche Schwaben
ARD-Sonntagskrimi Der neue "Tatort" aus Stuttgart im Schnellcheck
Worum geht's?
Hochkultur trifft Hochhaussiedlung. In dem Jugendtreff eines Problemviertels wird ein Sozialarbeiter ermordet. Die Spur führt Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) zu einem Kunstmäzen, der die Teens des Treffs bei sich in seinem Pool planschen und seine Bücher lesen lässt. Ist der Typ wirklich nur ein Menschenfreund?
Wie blutig ist die neue Folge?
Nicht sonderlich blutig. Das Opfer wurde zwar übel auf der Mädchentoilette mit einem Klodeckel zugerichtet, ansonsten liegt die Gewalt hier eher im Verbalen: schönes, reines Kanak-Deutsch. Dabei spielen gar nicht so viele Charaktere mit Migrationshintergrund mit.
Gibt es einen gesellschaftspolitischen Auftrag?
Joah, irgendwie schon. Hier geht es mit ein paar Schritten vom reichen Schwabenland ins heruntergekommene Hartz-IV-Stuttgart.
Bester Auftritt?
Die junge Schauspielerin Ruby O. Fee als Hochhaus-Braut mit Pailletten-Boots und Leoparden-Shirt, der auch der Episodentitel "Happy Birthday, Sarah" gewidmet ist. Kesse Lippe, hoher IQ und doch völlig verloren zwischen Kunstmäzen und Betonkaserne. Ein Mädchen, das nichts besitzt. Außer einem erstaunlichen Maß an Würde. Von Ruby O. Fee wird man noch hören.
Und: Können wir das alles glauben?
Ja. Der Plot ist gewagt konstruiert, geht aber auf. Ein-, zweimal wackelt's, ansonsten ein grandioser Clash der Kulturen.
Lohnt das Einschalten?
Ja. Der Stuttgarter "Tatort", in den letzten Jahren kein Garant für zeitgemäßes Erzählen, ist wieder zurück.
Wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?
"Tatort: Happy Birthday, Sarah", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD
Arno Frank kommentiert für uns den "Tatort" am Sonntag live auf Twitter.