Ackermann-Doku in der ARD: Im Land des Lächlers - DER SPIEGEL
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Ackermann-Doku: Der Mann hinter der freundlichen Maske

Foto: SHAUN CURRY/ AFP

Ackermann-Doku in der ARD Im Land des Lächlers

Morgens Morddrohungen und abends Gala mit Bill Clinton - ein ARD-Team erhielt Einblick in "Die Welt des Josef Ackermann". Die Reportage über den Alltag des Bankers zeigt einen freundlichen Machtmenschen, der konsequent für das Recht des Smarteren eintritt - und dennoch gemocht werden will.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Deutschen Bank

Der Morgen beginnt mit einer Morddrohung. Josef Ackermann ist auf dem Weg zum Sitz der in New York, er sitzt auf dem Rücksitz eines schwarzen Mercedes, ein Handy schon am Ohr, als ihm sein Chauffeur das zweite nach hinten reicht.

Ackermann

Am anderen Ende der Leitung ist sein Sicherheitschef. Er sagt, dass ein enttäuschter Bankkunde aus Los Angeles den Chef von Deutschlands größter Bank umbringen wolle. zeigt keine Gefühlsregung. Klingt sachlich, als er fragt: "Ist das ernst gemeint?" Ob denn die Polizei informiert sei, will er noch wissen. Dann ist die Sache abgehakt.

Mit einem freundlichen "Good Morning" betritt er kurz darauf das Bankgebäude an der Wall Street. Er scherzt mit einer Sekretärin, nimmt eine schwarze Mappe und die Nachricht von zwei Anrufen entgegen. Und betritt dann eins der vielen Büros, die in der ganzen Welt für ihn bereitstehen.

Willkommen in der Welt von Josef Ackermann, die die ARD am Montagabend in einer 45-minütigen Dokumentation zeigt. Der Fernseh-Journalist Hubert Seipel hat den 62-Jährigen Banker dafür mit einem Kamerateam über Monate hinweg begleitet. Er flog Ackermann kreuz und quer durch die Welt hinterher, beobachtete ihn auf Bankertreffen und bei seinen Noteinsätzen für die Politik, spürte auch seinen Wurzeln in der Schweiz nach, wo Ackermann im 8000-Einwohner-Städtchen Mels aufwuchs. Seipel interviewte einen alten Schulfreund des Schweizers, den Ex-Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper - und Ackermann selbst.

"Die Repräsentantin Deutschlands auf der ganzen Welt"

Natürlich lässt der Bankenchef das Kamerateam nur soweit an sich ran, wie unbedingt nötig. Es fährt im Auto mit, filmt öffentliche Auftritte. Über Ackermanns Familie, seine Leidenschaft für die Oper, seine Feierabendgewohnheiten fällt kein Wort. Aber vielleicht braucht es das auch gar nicht. Wer wissen will, was Ackermann antreibt, muss in die Welt abtauchen, in der er sich die meiste Zeit bewegt. In Hotels und Büros, Meetingräume, und Veranstaltungssäle, in denen Männer in dunklen Anzügen mit gesenkten Stimmen das Weltgeschehen mitbestimmen.

Es ist geradezu unheimlich, wie monoton freundlich sich der Bankenchef überall bewegt. In Wien, New York, Washington, Istanbul. Ackermann jettet von einem Land ins nächste, das Straßenleben sieht er eigentlich nur durch abgetönte Autoscheiben hindurch. Manchmal wisse er beim Aufwachen kurz nicht, wo er ist, sagt er. Finde den Lichtschalter kaum. In der Öffentlichkeit ist er trotzdem immer ganz kontrolliert. Nie zeigt er Ärger, Wut - einfach Nerven. Nicht einmal Müdigkeit.

Er zeigt, egal, wo er ist, dieses strahlende Lächeln.

Es ist ganz schön breit. Oft passt es, wirkt professionell herzlich. Wenn Ackermann unter seines Gleichen ist. Manchmal passt es aber auch nicht. Als er beim Mannesmann-Prozess als Angeklagter damit auftaucht, hat er seinen Ruf als arroganter Banker weg. Schon bevor er das berühmt gewordene Victory-Zeichen macht.

Im Laufe von Seipels Film merkt man: Das Lächeln ist eine freundliche Maske. Es gehört zum Geschäft. Wie der dunkle Anzug und der Schlips. Das Prinzip, keine Gefühle zu zeigen, die Zurückhaltung, gehört zu Ackermanns schweizerischem Erbe, sagt Ackermanns Jugendfreund Hanspeter Danuser.

Wie groß eine Krise auch immer sei, "niemand darf's merken". Das habe Ackermann "eingebläut" bekommen. Von wem auch immer - hilfreich war das nicht unbedingt. Ackermanns nach außen getragener Gleichmut ist wohl mit der Grund, warum der Manager die Deutschen so auf die Palme bringen kann.

Das Leben als ständiger Wettbewerb

Auch in der Dokumentation erzählt er so einiges, was für Kopfschütteln sorgen dürfte. "Wir sind eigentlich die Repräsentantin Deutschlands in der ganzen Welt", erklärt der Banker da im Ton freundlichster Selbstverständlichkeit. Und er verteidigt seelenruhig seinen knallharten Renditekurs. "Wenn man beginnt, stillzustehen, zu stagnieren, dann wird man sehr schnell im Hintertreffen sein", sagt er. Länder wie China, Indien, Brasilien, die wollten "nach vorne kommen", lautet die Begründung.

Ackermann ist einer, der an Ehrgeiz und Gewinnstreben glaubt. An das Recht des Smarteren. Für ihn ist das Leben ständiger Wettbewerb. Er macht daraus keinen Hehl, zeigt Rückgrat. Trotzdem ist Ackermanns Weltsicht, dieser gnadenlose Pragmatismus, für Otto Normalbürger nicht leicht verkraftbar.

Irgendwann geht es im Interview noch einmal um Mannesmann. Vodafone   hatte das Unternehmen geschluckt und filetiert. Ackermann hatte als Aufsichtsrat dem ehemaligen Mannesmann-Management trotzdem Abermillionen an Extra-Prämien zugestanden. Ackermann sagt dazu trocken, man habe "den Zeitgeist" zu wenig berücksichtigt. Mehr als die Frage nach der Moral zählt offensichtlich die Frage, warum das damals so fürchterlich schief lief. Für die Einstellung des Verfahrens musste er am Ende drei Millionen Euro bezahlen.

"Rastlos im Auftrag des Kapitals unterwegs"

Und dann kommt er doch noch, der Moment, an dem Ackermann Gefühle zeigt. Ein bisschen zumindest. Es ist bei einem der unzähligen Empfänge, auf die der Spitzenmanager gehen muss: Die US-Denkfabrik Atlantic Council hat geladen. Und Ackermann wird ein Preis verliehen, für seine Führungsstärke. Der zweite Preisträger ist Ex-US-Präsident Bill Clinton, der den deutschen Banker in einer Rede auch noch über den Klee lobt. Ackermann wirkt ehrlich bewegt. Er danke dem Verein für "den Mut, in diesen Zeiten ausgerechnet einen Banker auszuzeichnen".

Die nächste Einstellung zeigt den Banker, wie er am nächsten Morgen irgendwas von "ein bisschen langweilig" in ein Handy murmelt, scheinbar mit Blick auf den Vorabend. Ein Kommentar, der sicherlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war.

Der Film geht nicht nur an dieser Stelle wenig zimperlich mit dem mächtigen Manager um. Seine Auftritte begleitet ein Sprecher aus dem Off mit Kommentaren wie: "Josef Ackermann ist rastlos im Auftrag des Kapitals unterwegs. Das Mammutprogramm, das er sich auferlegt hat, unterstreicht die Bedeutung, die er sich und andere ihm zumessen."

Aber Ackermann hat auch Zeit, sich zu erklären. Wenn es nicht um Zahlen und Fakten geht, fällt ihm das allerdings offensichtlich schwer. Etwas umständlich schildert der Manager da etwa am Ende, wie schwer es ihm immer noch fällt, an Menschen vorbeizugehen, die um Geld bitten. Das zeige doch, dass "ein gewisses Mitleid, eine Haltung, helfen zu wollen, noch sehr stark vorhanden ist."

Es ist ein bizarrer Augenblick, wie der Manager, der täglich Milliarden bewegt, da um menschliche Anerkennung wirbt. Ihm scheint nicht wirklich klar zu sein, wie fremd seine Welt, die Welt der Hochfinanz, auf die meisten Bürger wirken muss.


"Die Welt des Josef Ackermann", 21 Uhr, ARD