Alles außer Fußball!: Sommersanfte Todesahnungen - DER SPIEGEL
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Alles außer Fußball! Sommersanfte Todesahnungen

Während im Fußball um Torkameras gestritten wird, zeigt das Bayerische Fernsehen einen Film, in dem Dominik Graf eine hungrige Digicam die Geheimnisse der Adoleszenz ausloten lässt. "Die Freunde der Freunde" ist ein Gegenentwurf zu den Hochglanz-Bilderbögen der "Twilight"-Reihe.
Körpernah: Matthias Schweighöfer und Sabine Timoteo in "Die Freunde der Freunde"
Körpernah: Matthias Schweighöfer und Sabine Timoteo in "Die Freunde der Freunde"

Körpernah: Matthias Schweighöfer und Sabine Timoteo in "Die Freunde der Freunde"

Foto: WDR
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In zwei Wochen läuft mit "Eclipse - Biss zum Abendrot" der dritte Teil der " Twilight"-Verfilmungen an. Die Kids werden nach dem Hochglanz-Gothic-Bilderbogen wieder durchdrehen - und ewige Keuschheit schwören. Ist das die viel besungene "Generation Porno"? Nein, eher eine neue "Generation PorNO".

Wie ein hübscher Gegenentwurf lässt sich der mysteriöse Liebesreigen "Die Freunde der Freunde" von Dominik Graf (" Im Angesicht des Verbrechens") anschauen - mag er auch aus dem Jahr 2002 stammen. Als Vorlage diente eine 1896 entstandene Kurzgeschichte mit Gothic-Flair von Henry James, die von Graf und Drehbuchautor Markus Busch lässig in die Gegenwart übersetzt wurde: Es geht über eine Vierecksgeschichte, bei der zwei Internatsschüler (Matthias Schweighöfer und Florian Stetten) sich mit zwei jungen Frauen (Sabine Timoteo und Jessica Schwarz) mysteriösen Anziehungen und Ahnungen hingeben. Der Tod erscheint dabei, so sommersanft diese Geschichte auch ins Bild gesetzt ist, immer präsent.

Wie wunderbar: Dem digitalgesättigten Fass-mich-nicht-an-Trickgewitter der "Twilight"-Kinosaga wird in "Die Freunde der Freunde" eine hungrige Digicam entgegengesetzt, die mit den Protagonisten körpernah und explizit die Geheimnisse (auch die tödlichen) der Adoleszenz auslotet.

Von Drehbuchautor Busch, der für Graf neben diesem Grimme-Preis-gekrönten Teenager-Drama auch das erotische Nonnen-Porträt " Das Gelübde" geschrieben hat, ist übrigens gerade bei einem kleinen Hamburger Verlag unter dem Titel "Lautlose Tage" ( two Books ) eine starke Kurzgeschichtensammlung erschienen, in der er zum Teil die Thematik von "Die Freunde der Freunde" wieder aufgreift: Wahn und Wirklichkeit, Autosuggestion und Autoerotik.

Christian Buß


"Die Freunde der Freunde", 23.55 Uhr, BR