Anne Will zu Frank-Walter Steinmeier: Der Hitzkopf in Frank-Walter - DER SPIEGEL
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Anne Will zu Steinmeier: Die Herausforderungen des "Brückenbauers"

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"Anne Will" zu Steinmeier Der Hitzkopf in Frank-Walter

Bei Anne Will suchten die Gäste nach Herausforderungen für den neuen Bundespräsidenten - und fanden sie im Rechtspopulismus. Die Runde bestand jedoch aus erprobten Dauertalkern und blieb wenig originell.
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Vielleicht wäre der Abend origineller und munterer verlaufen, wenn die Gastgeberin ein paar der medienprominenten Vögel eingeladen hätte, die zuvor den neuen Bundespräsidenten gewählt hatten? Die knallbunte Olivia Jones vielleicht, oder Comedy-Star Carolin Kebekus? Stattdessen hatte sich Anne Will vor allem am erprobten Reservoir der Dauertalker bedient, allen voran CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, außerdem waren Hannelore Kraft (SPD) und Linkspartei-Charmeur Gregor Gysi eingeladen, um die Frage zu diskutieren, ob Frank-Walter Steinmeier "der richtige Präsident in rauen Zeiten" ist.

Was soll man da sagen. Gleich zweimal lobte NRW-Ministerpräsidentin Kraft ihren Genossen dafür, dass er ein "Brückenbauer" sei, etwas kleinlich fieselte CSU-Mann Scheuer auseinander, dass Steinmeier doch im Grunde "immer in seiner Funktion als Juniorpartner, als Minister in einer unionsgeführten Regierung" politisch Karriere gemacht habe - und Gysi gestand, dass seine "Gefühlslage unterschiedlich" sei, was den Neuen angeht. Die Botschaft: Wenn so ein grundsolider und altbekannter Frank-Walter Bundespräsident wird, kann man eigentlich nur bedächtig mit dem Kopf wiegen.

Der einzige Skandal in Steinmeiers politischer Karriere hat es kaum zu größerer Bekanntheit gebracht: Murat Kurnaz ist der deutsch-türkische Guantanamo-Häftling, den Steinmeier 2002 als Kanzleramtschef mutmaßlich aus US-Haft hätte nach Deutschland holen können, wo er unschuldig gefangen war und gefoltert wurde. Um an diese Steinmeiersche Altlast zu erinnern, wollte "Die Partei"-Chef Martin Sonneborn eigentlich Kurnaz als Kandidaten für das Präsidentenamt ins Rennen schicken - was allerdings aus formalen Gründen nicht möglich gewesen wäre.

Die Aufgabe, "nach rechts zu integrieren"

Als Shermin Langhoff, Intendantin des Berliner Maxim Gorki Theaters den Namen Murat Kurnaz in den Mund nahm, dürfte es bei den wenigsten geklingelt haben. Langhoff, die für die Grünen als Wahlfrau in die Bundesversammlung berufen worden war, fand dennoch nur lobende Wort für den neuen Präsidenten. Zwar sei er "leider keine Frau", bringe aber die für die anstehenden Herausforderungen nötige Expertise und ein großes Netzwerk mit.

Was aber sind die Herausforderungen und sind Expertise und Netzwerk die Tools, mit denen FWS ihnen zu Leibe rücken kann? Fast ausschließlich debattierte die Runde im zweiten Teil der Talkshow über die AfD und wie ihr beizukommen wäre, ein bisschen Trump war natürlich auch dabei, kurzum: Man war sich irgendwie einig, dass der Präsident vor der Aufgabe steht, "nach rechts zu integrieren", wie Ulf Poschardt argumentierte. Der "Welt"-Chefredakteur bezweifelte, dass der trockene Steinmeier rhetorisch den idealen Gesamtdeutschen geben könne - auch wenn die per Einspieler in Erinnerung gerufene Wutrede von 2014, als er gegendemonstrierenden Putin-Freunden brüllend und mit rotem Kopf Kontra gab, zeige, dass "in ihm auch ein Hitzkopf" schlummert.

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Abstrakte Ängste

Gysi erklärte, was Trump und der Linken-Kandidat Christoph Butterwege gemeinsam haben: Trump sei in den USA von der Hälfte der Bevölkerung gewählt worden, "weil er nicht zum politischen Establishment gehörte", also habe man mit Butterwege jemanden aufgestellt, dem man diesen Vorwurf auch nicht machen kann - was ihm immerhin 33 Stimmen aus anderen Fraktionen eingebracht habe. "Wir müssen nach außen gehen, nicht nur in unserer Soße schwimmen", so Gysi. Ob AfD- und Pegida-Sympathisanten ausgerechnet einem linken Politikwissenschaftler zugebilligt hätten, nicht zum "Establishment" zu gehören?

Immerhin: Der interessanteste Schlagabtausch der Show fand zwischen den beiden Nicht-Politprofis statt: Poschardt stellte die Frage, ob "dieses Marginalisieren und Denunzieren" die Rechtspopulisten nicht bloß stärker mache. Intendantin Langhoff hielt ihm entgegen: "Marginalisieren und Denunzieren sind die beiden Hauptformate dieser Parteien." Stimmt natürlich beides irgendwie - also einigte man sich in der Mitte, dem heiligen Gysi sei Dank: "An die richtigen Rassisten kommste sowieso nicht ran", verkündete der ehemalige Linke-Chef. "Aber an die anderen schon."

Zu Anfang der Sendung schon hatte Gysi bekannt, er habe "abstrakte Ängste nicht richtig zur Kenntnis genommen" - sprich: Dass ausgerechnet da, wo kaum Muslime wohnten, die Islamophobie am größten sei. Wie man solche "abstrakten Ängste" ernst nehmen soll, verriet er nicht.