Aspekte-Relaunch: "Das nervt mich kolossal"
"Aspekte"-Moderatorin Katty Salié "Bei Radiohead würde ich ganz laut schreien"
Katty Saliés Nachname klingt nur deshalb so französisch, weil ihre Vorfahren Hugenotten waren. Geboren wurde die 38-jährige Moderatorin in Salzgitter. Nach dem Studium besuchte sie die RTL-Journalistenschule in Köln. Dort moderierte sie das Live-Magazin "Guten Abend RTL", arbeitete aber auch für den WDR. 2005 wechselte Salié endgültig zu den öffentlich-rechtlichen Sendern, übernahm unter anderem die Moderation des Kulturmagazins "west.art". Vor zwei Jahren ersetzte sie Luzia Braun als Gesicht des ZDF-Kulturmagazins "Aspekte", dort moderiert sie derzeit neben Tobias Schlegl und Jo Schück. Ab Freitag wird sie die neu gestaltete Sendung zum ersten Mal vor Studio-Publikum moderieren.
SPIEGEL ONLINE: Das neue Sendungskonzept ist schon die zweite Änderung bei "Aspekte" in nur zwei Jahren. Damals wurde mit Ihnen bewusst eine jüngere Moderatorin eingeführt. Ist der Relaunch der nächste Versuch, endlich ein jüngeres Publikum zu erreichen?
Salié: Wenn ein altbewährtes Magazin jemand Jüngeren als die Frau, die es 18 Jahre lang moderiert hat, vor die Kamera holt, heißt es immer gleich, wir wollen ein jüngeres Publikum erreichen. Ganz ehrlich: Das nervt mich kolossal. Ich weiß nicht, ob wir seit meinem Kommen jüngere Menschen erreicht haben. Ich weiß auch nicht, ob wir es jetzt durch den Umbau der Sendung tun werden. Die, die sich darum einen Kopf machen wollen im Sender, sollen das tun. Für mich ist das irrelevant.
SPIEGEL ONLINE: Welchen Zuschauer stellen Sie sich denn vor, wenn Sie moderieren?
Salié: Ich stelle mir per se niemanden vor. Ich gucke nicht in die Kamera und denke, wer sitzt jetzt wohl vorm Fernseher? Was ich mich frage, ist: Was interessiert denn mich? Ich gehe von mir selbst aus. Und ich bin Ende 30 und finde das Spektrum von "Aspekte" zwischen Hochkultur und Pop interessant.
SPIEGEL ONLINE: Noch jüngere Leute stellen sich ihr Kulturmenü komplett im Netz zusammen.
Salié: Wir gehören immer noch zu den jüngsten Sendungen im ZDF. Und werden auch in der Mediathek viel geguckt, das sind dann vielleicht auch die Endzwanziger. "Aspekte" hat ja auch einen Twitter-Account. Ist ja nicht so, als würden wir hinterm Mond leben.
SPIEGEL ONLINE: Die Quote von "Aspekte" liegt seit Jahren bei knapp einer Million Zuschauer. Stabil, aber deutlich unter Senderschnitt.
Salié: Kultur im TV hat es immer schwer. Wir haben unser Stammpublikum. Es wäre natürlich sehr mau, wenn man sich mit der Quote abfinden würde. Es gibt immer Luft nach oben. Aber das Hauptziel hinter der Neuaufstellung ist das jetzt nicht.
SPIEGEL ONLINE: Was ist denn das Hauptziel?
Salié: Wir wollen schlicht moderner, lebendiger werden. Als vor einem Jahr der neue Redaktionsleiter Daniel Fiedler kam, brachte er neuen Schwung mit, hat uns Moderatoren mitgerissen. Wir haben ja schon ein paar Probesendungen gedreht unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ich war am Anfang selbst skeptisch, aus der Magazinform rauszugehen. Wenn man ein Format, das es seit 48 Jahren gibt, über den Haufen wirft, wird man dabei natürlich kritisch beäugt. Deshalb haben wir uns mit der ersten Neuaufstellung vor zwei Jahren erstmal sanft angenähert. Und haben jetzt nach dem zweiten Relaunch noch viel mehr Spielmöglichkeiten.
SPIEGEL ONLINE: Welche zum Beispiel?
Salié: In einer Probesendung haben wir Besuch von einem Künstler bekommen, der mit einem 3-D-Drucker arbeitet. Statt dass wir ihn in seinem Atelier besuchen, hat der das Riesending ins Studio gekarrt. Und dann wurde die ganze Sendung lang fröhlich gedruckt. Aber wir können zum Beispiel auch Liveschalten machen. Oder mit Künstlern im Studio reden.
SPIEGEL ONLINE: Neu ist so ein Talk-Konzept aber nicht. Die ganze Woche wird mittlerweile zugetalkt bei den öffentlich-rechtlichen Sendern.
Salié: Zu uns kommen Künstler, die Stellung nehmen zu den Themen, die wir in der Sendung behandeln. Das ist was ganz anderes als eine Talkrunde. Wir sitzen ja nicht in einem Stuhlkreis. Es ist eine andere Form. Ganz sicher keine Talkrunde.
SPIEGEL ONLINE: Welchen Studiogast wünschen Sie sich persönlich denn?
Salié: Sagen wir mal so: Wenn Radiohead jetzt mal bei "Aspekte" auftreten würden, würde ich ganz laut schreien "An dem Freitag möchte ich dringend moderieren". Aber eigentlich bin ich gar nicht so ein Mensch, der den einen Star hat, für den er wahnsinnig brennt. Es passiert ja auch immer wieder, dass mir die Redaktion Künstler nahelegt, die mich erst mal nicht so vom Hocker hauen. Aber dann lese ich mich ein, und es eröffnen sich ganz neue Welten.
SPIEGEL ONLINE: Sind Sie aufgeregt vor der ersten Live-Sendung?
Salié: Total. Lampenfieber ist ja etwas Putziges. Ich steigere mich da immer so rein, dabei weiß ich doch eigentlich: Es ist ja nur Fernsehen. Ich operiere ja nicht am offenen Herzen, es kann überhaupt nichts Schlimmes passieren. Was wäre das Schlimmste? Vielleicht, wenn ein Studiogast eine Sekunde vor Sendungsbeginn eine Magen-Darm-Grippe bekäme. Aber dann würden wir uns eben was anderes ausdenken.
"Aspekte", ZDF, Freitag, 7.2., 23 Uhr