"Better Call Saul": Serien-Star Bob Odenkirk im Interview - DER SPIEGEL
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Star aus "Breaking Bad"-Spin-off "Ich würde mich von Saul Goodman fernhalten"

Bob Odenkirk sorgte in "Breaking Bad" als Saul Goodman für Witz. Jetzt bekommt die schmierige Anwaltsfigur mit "Better Call Saul" ihre eigene Serie. Hier verrät der US-Schauspieler, warum er seine Paraderolle eigentlich gar nicht mag.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE: Mr. Odenkirk, wie schwer lastet es auf Ihren Schultern, den Spin-off einer so erfolgreichen Serie wie "Breaking Bad" tragen zu müssen?

Odenkirk: Vielleicht stimmt irgendetwas mit mir nicht, aber ich spüre keinen Druck. Wir alle, vom Schauspieler bis zum Autor, lieben "Breaking Bad" und sind glücklich, dass wir an etwas teilgenommen haben, das so gut und erfolgreich geworden ist. Es wird immer Leute geben, die unsere Entscheidung, "Better Call Saul" zu machen, doof oder falsch finden. Aber solange wir es aus dem richtigen Grund tun, aus unserem Wunsch, diese Figur weiter zu erkunden - wovor sollte ich da Angst haben?

SPIEGEL ONLINE: Spricht da einfach der abgehärtete Showbiz-Veteran, der schon seit 30 Jahren im Geschäft ist?

Odenkirk: Vielleicht. Niemand kann mir etwas anhaben: Ich habe eine Frau und zwei Kinder, ich kann immer wieder zurück zur Comedy, vielleicht eine neue Show entwerfen. Ich könnte Ihnen jetzt hier auf einem Stück Papier ein neues Comedy-Format entwerfen und bin sicher, dass man mich auf jeden Fall einen Piloten produzieren lassen würde. Das mache ich und beherrsche ich, das kann mir niemand mehr nehmen. Und die ersten Kritiken waren gut, fast schon großzügig. Die Leute scheinen offen für die Serie zu sein. Mehr kann man sich nicht wünschen.

SPIEGEL ONLINE: In der ersten Episode von "Better Call Saul" gibt es ein Wiedersehen mit Drogendealer Tuco Salamanca, den Fans schon aus "Breaking Bad" kennen. Er sagt zu Saul Goodman: "Wow, Sie können ganz schön viel reden!" Wann hat das zum ersten Mal jemand zu Ihnen gesagt?

Odenkirk: Zum allerersten Mal? Wahrscheinlich, als ich sieben oder acht Jahre alt war. Ich kann ein ganz schönes Großmaul sein. Aber das ist auch das Einzige, was mich mit Saul Goodman verbindet. Ich kann mich viel mehr mit Jimmy McGill identifizieren, also dem Mann, der Saul vor seiner Wandlung ist. Ein sympathischer Kerl, ganz anders als die Fassade, die er sich später mit der Saul-Goodman-Persona errichtet.

Zur Person
Foto: Amy Sussman / AP / dpa

Bob Odenkirk, 1962 in Naperville, Illinois geboren, ist Schauspieler, Komiker, Schriftsteller, Regisseur und Produzent. In den Achtzigerjahren wirkte er in Comedy-Formaten wie "Saturday Night Live" und "The Ben Stiller Show" mit, später erfand er zusammen mit David Cross die einflussreiche Serie "Mr. Show with Bob and David". In der erfolgreichen TV-Serie "Breaking Bad" (2009 - 2013) spielte er den zwielichtigen Anwalt Saul Goodman, der jetzt mit dem Spin-off "Better Call Saul" seine eigene Serie bekommt. Die Handlung spielt sieben Jahre vor "Breaking Bad", als Jimmy McGill sich noch nicht das Pseudonym Saul Goodman (lautmalerisch für "It's all good, man") zugelegt hat.

SPIEGEL ONLINE: Sie können Ihre vermutlich bekannteste TV-Figur nicht ausstehen?

Odenkirk: Leute fragen mich oft, ob ich gerne mit Saul rumhängen würde. Nein, würde ich nicht. Ich würde mich fernhalten. Aber aus der Ferne macht es Spaß, ihm zuzusehen! Er genießt es geradezu, Situationen oder Personen zu manipulieren; für mich ist das eher unangenehm. Man gerät da menschlich auf sehr dünnes Eis.

SPIEGEL ONLINE: In den USA sind Sie seit Jahrzehnten ein bekannter Comedy-Star. Ist man als Komiker nicht auch ein wenig Bullshit-Künstler, ein Manipulierer wie Goodman?

Odenkirk: Doch, aber es gibt einen großen Unterschied: Wenn ich Comedy mache, lasse ich das Verhalten einer Figur übertrieben aberwitzig erscheinen. Dadurch entsteht eine absichtlich künstliche Welt. In "Breaking Bad" und auch in "Better Call Saul" bleiben wir aber sehr eng an der Realität. Klar, Saul Goodman ist eine Art Entertainer und tritt sehr komisch auf, ist aber gleichzeitig ein vielschichtiger Charakter. Die Schwierigkeit besteht für mich darin, die Komik richtig zu dosieren, den Tonfall richtig zu treffen. Reine Comedy ist viel eindimensionaler.

SPIEGEL ONLINE: "Better Call Saul" ist für Sie also auch nach fast drei Jahrzehnten im Showbusiness noch eine Herausforderung?

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US-Serie "Better Call Saul": Teufel, was für ein Advokat

Foto: AMC/ Netflix

Odenkirk: Der schauspielerische Teil davon auf jeden Fall. Und ich muss wahnsinnig viel Text auswendig lernen, Saul redet ja so viel!

SPIEGEL ONLINE: Steckt denn wirklich gar kein Bob Odenkirk in Saul Goodman?

Odenkirk: Nein, gar nicht, der gesamte Text stammt von Vince Gilligan und Peter Gould, den Schöpfern der Serie. Ich füge nichts hinzu. Sie würden es mir wahrscheinlich erlauben, wenn ich darauf bestünde. Aber es war von Anfang an eine einmalige Herausforderung für mich, den Text exakt so zu sprechen, wie er im Drehbuch steht, und nach und nach herauszufinden, welche Tonlage und Nuancen Saul Goodman eigentlich benutzt.

SPIEGEL ONLINE: Saul Goodman steht in einer Reihe mit zahlreichen zerquälten, zwiespältigen Männerfiguren, die in den vergangenen Jahren TV-Serien bevölkert haben. Was unterscheidet ihn von Tony Soprano oder Walter White?

Odenkirk: Es mag sich merkwürdig anhören, aber ich denke, Saul ist weniger zynisch. Zumindest als Jimmy McGill hat er eine gewisse Unschuld. Die anderen können nicht in ihren Gefühlen verletzt werden, weil sie ohnehin an nichts glauben. Sie sind nicht überrascht von der Verdorbenheit der Welt, weil sie nichts Gutes erwarten. Walter White zum Beispiel ist nur von Ego und Bitterkeit getrieben. Auch Jimmy will Respekt und Anerkennung, aber sein Antrieb ist gutherziger. In der Reihe, die Sie aufzählen, ist er der idealistischste und hoffnungsvollste Charakter.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben in ihrer Karriere viele Höhen, aber sicher auch Tiefen erlebt. Wie vermeiden Sie es selbst, bitter oder zynisch zu werden?

Odenkirk: Puh, daran muss man hart arbeiten. Das Geschäft ist voller Enttäuschungen, und immer wenn einer von uns Erfolg hat, so wie ich jetzt, sitzen ein paar andere da, die gerade keine Arbeit oder eine Pechsträhne haben, und grämen sich: Wieso der und nicht ich!? Man muss sich am Riemen reißen und sich klarmachen, dass Bitternis nichts bringt. Die Showbranche ist unfair, aber in ihrer Unfairness ist sie auch sehr gerecht: Jeder ist mal mit Erfolg dran, jeder mal mit Absturz. Das ist nur eine Frage der Zeit.

"Better Call Saul" feiert auf der Berlinale seine Deutschlandpremiere. Ab Mittwoch, 11. Februar, ist die zehnteilige Serie in Deutschland bei Netflix zu sehen.