"Catch the Millionaire": Ein Hoch auf den Trulla-Caster
Neue ProSieben-Dating-Show Balzbereite mit Raff-Ambition
18 Frauen hat man gefunden, die sich im Verlauf der Sendung um Herz und Habe von drei vermeintlichen Millionären balgen werden, von denen allerdings nur einer wirklich Geld hat - was die Kandidatinnen aber nicht wissen. "Es geht um Liebe, Enttäuschung, Hoffnung und Verrat", verkündet die Off-Stimme schon in den ersten Minuten in bester Erbe-der-Guldenburgs-Dramatik, und kurz vor ihrem Erstkontakt befürchten die Goldgräberinnen dann zu Recht schon mal das Schlimmste: "Hoffentlich tragen sie keine Timberlands."
Mehrheitlich üben die Kandidatinnen die bislang unentdeckt gebliebene Trendbeschäftigung "Messehostess" aus, die anderen sind Hairstylistin, Visagistin, Architekturstudentin oder Betriebswirtin mit Nebenberuf Gogo-Tänzerin. An ihren Raff-Ambitionen können sie nichts Unlauteres finden, weil normal: "Mein Partner soll mich natürlich finanzieren können, das ist ja wichtig, er ist ja mein Partner." Als die Frauen ihr Balzquartier in einer toskanischen Villa beziehen, rasten sie formatgemäß aus, als hätten sie zum ersten Mal in ihrem Leben ein Sofa! Mit! Kissen! Drauf! Gesehen! Austern indes mögen sie nicht: "Das riecht schon so nach alter Muschi." Kurz gesagt: Das sind, im Gegensatz zu den Klumschen Modelhühnchen, keine "Meedchen". Das sind, man hätte auch selbst drauf kommen können, natürlich "Ladies".
Die allerdings nicht sehr ladylike quieken wie Ferkel am Badetag, als die drei Männer nacheinander in ihren Sportwägen vor der Villa vorfahren. Ein bisschen sei das schon "wie im römischen Reich", sagt Dennis, der echte Millionär: "Ich habe mich gefühlt wie ein König, der an seinen Hof kommt und da stehen 18 Frauen, die vermählt werden wollen."
Balzende Männchen im Frauenrudel
Eine weitere Dummchen-Vorführsendung mit schon angemoderten Geschlechterrollen, könnte man denken. Doch die Ladies sind bei "Catch the Millionaire" nur die Kulisse für ein weit spannenderes, im Reality-TV-Wesen bislang eher vernachlässigtes Beobachtungsfeld: balzende Männchen und ihr Konkurrenzverhalten. Bei allem Trashpotential des Frauenrudels: Die Männer der Sendung könnten am Ende die wahrhaft Vorgeführten werden.
Denn Dennis, der mit einem Gastronomieangebot für Krankenhäuser reich wurde, muss sich die bindungswillige Ladyschar mit zwei falschen Millionären teilen, die ihm offiziell dabei helfen sollen, all jene Kandidatinnen auszusortieren, die es nur auf sein Bankkonto abgesehen haben. Und diese Konstellation erweist sich in der Premierensendung als vielversprechende Sozialstudie. Seine beiden Sidekicks: Chris, Maschinenbaustudent, und Gero, arbeitssuchender Politiloge (und optisch die exakte Mitte Zwischen Coldplay-Sänger Chris Martin und Prinz William).
Die "letzte Waffe": Sein vollautomatisches Bett
Beide werden im Vorfeld von einem "Societyprofi" (Befähigung: "war in einem englischen Internat") erst noch rasch auf Millionärsvordermann gebracht, heitere Pygmalionszenen spielen sich bei Schreitübungen im Garten von Geros Eltern ab. Er ist wieder zu Hause eingezogen, "vorübergehend" natürlich, wo er in seinem holzvollverkleideten Jugendzimmer unter dem Dach haust. Dort präsentiert er sein "vollautomatisches Bett", "die letzte Waffe", sagt er, die noch jede aufs Frotteespannbettuch habe sinken lassen, und lässt die Kopfstütze auf und ab fahren wie ein schmieriger Vertreter auf der Sanitärhausfachmesse.
Viel delikater als die erwartbare und aus diversen anderen bacheloresken Formaten altbekannte Stutenkeilerei der von Schaumwein berauschten Kandidatinnen ist die komplexere Frage, wie Gero und Chris mit der vorübergehenden Vorzugsstellung als vermeintlicher Millionär umgehen werden.
Schon bei den ersten Entscheidungen, als die ersten sechs Kandidatinnen vom Millionärstrio abgewählt und nach Hause geschickt werden, findet zumindest Gero die Position des nach eigenem Pläsier Auswählenden bereits unverhohlen großartig - und sagt ekelhafte Sätze wie "Sie ist eine Kandidatin, die ich auf meiner inneren Checkliste etwas höher positionieren werde".
Interessant auch, wie sich der eher bücklingshafte Chris entwickeln wird, der ganz in seiner Steigbügelhalterrolle aufzugehen scheint. Und sich im Gegensatz zum echten Millionär ehrfürchtig als "Normalbürger" bezeichnet.
Und wie kommt der echte Millionär damit klar, falls seine Gehilfen besser bei den Ladies ankommen? Beim ersten direkten Kräftemessen musste er sich bereits geschlagen geben: Unter Anleitung seines eigens eingeflogenen Personal Trainers (ach, die Reichen und ihre Schrullen!) machen die drei Männer um die Wette Liegestützen. Dennis verliert und wird unter großem Hallo in den Pool geworfen, woraufhin alle zusammen im Schwimmbecken herumtollen wie drei brustrasierte Otter.
Noch löst sich die Konkurrenzsituation in lustigem Plantschen auf, doch wird das auch so bleiben, wenn die Fake-Millionäre den Ladies näher kommen? Die Vorschau auf die weiteren "Catch-the-Millionaire"-Folgen verheißt schon mal Großes: Er wolle Dennis nur helfen, die Mädchen mit unlauteren Motiven auszusortieren, sagt Gero, ihnen "auf den Zahn fühlen" - was in einer tatsächlich durchaus zahnmedizinisch anmutenden tiefschlundigen Knutscherei im Whirlpool endet. Mal abwarten, wie der römische Kaiser auf Brautschau das findet.