"Das perfekte Model": Todsünden beim Casting - DER SPIEGEL
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"Das perfekte Model": Schöne Frau, toller Körper - die Nächste

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"Das perfekte Model" Todsünden beim Casting

Konkurrenz für Klum? "Das perfekte Model" versteht sich als Gegenentwurf zu "Germany's next Topmodel". Die erste Folge ist vor allem professioneller. Und lebloser. Trotz eines Pseudo-Zickenkriegs zwischen Eva Padberg und Karolina Kurkova. Und obwohl etwas wirklich Ekliges passiert.
Von Daniela Zinser
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das verdanken wir sechs Staffeln "Germany's next Topmodel": Massen von jungen Frauen mit fettfreien Beinen, die den "Walk" auf dem Laufsteg perfekt beherrschen und die mit ausdruckslosem Gesicht ihre "Personality", ihren Ehrgeiz und ihre Willenstärke rühmen. Sie wollen vor allem eins: Gewinnen. Model werden. Denn davon haben sie schon immer - oder spätestens seit Heidi Klum - geträumt.

Die bekommt jetzt Mitbewerber. Die Topmodels Eva Padberg und Karolina Kurkova suchen jeden Dienstag "Das perfekte Model". Realistischer als GNTM soll es sein und netter, mehr Doku als Show, näher dran am "hammerharten Business". Die Sendung ist vor allem professioneller. Und langweiliger. Die Kandidatinnen sind schon so getrimmt, so routiniert, zum Teil so erfahren, dass die beiden Jurorinnen höchstens mal bei der Armhaltung nachhelfen müssen, oder beim Styling.

Die zwei Stunden der ersten Folge ziehen sich: Casting in Köln, schöne Frauen, tolle Körper, Jury-Lob - die nächste. Eine bekommt kürzere Haare, eine soll sich im Bikini präsentieren. En bloc zeigt "Das perfekte Model" diejenigen, bei denen eine "gewisse Fehleinschätzung vorherrschte", was den Model-Beruf betrifft, wie Eva Padberg es ausdrückt. Zu muskulös, zu klein, zu breite Hüften. Details. Die Jury ist freundlich, aber manchmal können Blicke erniedrigender sein als Worte, kann ein "Soll ich dir zeigen, wie du gelaufen bist? Und jetzt, wie es richtig geht?" die Frauen mehr vorführen als eine kühle Kritik.

Aufgesetzter Pseudo-Zickenkrieg

Eva Padberg und die Tschechin Karolina Kurkova (KK) - immerhin echtere Topmodels als Heidi Klum - wollen näher dran sein an ihren Mädchen, denn Mädchen, das sind die Frauen auch hier. Ab der zweiten Folge hat jede der beiden ihr Team, zehn Kandidatinnen, die von ihnen gecoached werden, ganz im Stil von "The Voice of Germany". Wenn beide Jurorinnen dieselbe Kandidatin wollen, muss die sich entscheiden. Und das Buhlen ging in Köln schon los. Ein aufgesetzter Pseudo-Zickenkrieg, der mehr anödet, als dass er Spannung bringt.

Überhaupt, es funktioniert nicht recht, was sich die Macher von "Das perfekte Model" überlegt haben, um irgendwie anders als GNTM zu sein und das ewige Schaulaufen zu unterbrechen. Weil manches zukünftige Topmodel auf der Straße entdeckt wurde, suchen Eva und KK deutschlandweit nach dem "Gesamtpaket", dem Mädchen, das alles hat, Aussehen, Professionalität, Willen, Wandlungsfähigkeit, Wiedererkennungswert - ein paar der zehn Kategorien, nach denen hier beurteilt wird.

Eva Padberg sieht sich zum Beispiel an der Uni in Münster um und im Einkaufszentrum, KK in Düsseldorf bei einer Modelagentur - und wo findet Eva dann das tollste Mädchen? In Bad Lippspringe im Krankenhaus. Dort ist es Krankenschwester. So unglaubwürdig zufällig und spontan wie diese Entdeckung ist so einiges bei dieser Show: Die Tränen von Karolina Kurkova, weil sie ihre Familie vermisst und Gefühle eben wichtig sind, die Reaktionen der Mütter, die beim Casting draußen warten, oder der als Frau verkleidete Mann, der mit Abstand den besten Walk hat, tanzen kann wie Beyonce und als "Inspiration" dabeibleiben darf.

"Du bist groß" ist das größte Kompliment

Es gibt Homestorys mit Freunden und Familie der Willunbedingt-Models, und die Kandidatinnen dürfen Sachen in die Kamera sagen wie: "Wenn man sich nicht selber als Typ sieht, ist man falsch in dem Business". Oder: "Ich bin nicht hier, um Freunde zu finden, ich bin hier, um zu gewinnen". "Du bist groß" ist das größte Kompliment, und immerhin wird nicht ständig aufgesagt, dass nur eine die Chance hat, das perfekte Model zu werden und einen Vertrag für eine Werbekampagne zu bekommen.

Eva Padberg sagt "sehr schön" genauso wie Heidi Klum, und Karolina Kurkova, auch ein Victoria's-Secret-Engel, rückt zwar immer mal wieder mit einem Geständnis raus (Zähne, Beine, wofür sie sich früher schämte, das ist jetzt ihr Markenzeichen), hält aber mahnend den Zeigefinger hoch um zu verdeutlichen: So dünn sollte ein Model sein. Und sind die Kandidatinnen draußen, wird da schon mal geredet wie auf dem Viehmarkt: Guter Hintern; nicht besonders groß, vielleicht auf die Streckbank?

Am Ende gibt's das Fotoshooting: Vier Gruppen müssen jeweils eine Todsünde inszenieren und die "Völlerei", die übertreibt es. Die essen wirklich! "Das war echt eklig", urteilt Eva Padberg. Denn Essen ist nur zum Spielen da. Wer das nicht versteht, der muss gehen. Fotos gibt es hier keine, wer bleiben darf, muss sich zu den Schaufensterpuppen setzen, die am Laufsteg das Publikum ersetzen. So leblos wie sie wirkt auch "Das perfekte Model".

Dann lieber das Original. Am 23. Februar beginnt die siebte Staffel von "Germany's next Topmodel". Da weiß man, wo es herkommt.