Wir vermessen unsere Intelligenz: Doku-Szene aus der 3sat-Themenwoche
Foto: ZDF3sat veranstaltet eine Themenwoche zu einem schönen Thema: Intelligenz. Das ist ungefähr so, als würde RTL eine Themenwoche über das Wesen der Dummheit veranstalten. Oder? Die Auftaktsendung, ein Appetizer namens "Der Intelligenz-Check", wurde als "Wissensshow" verkauft.
Da muss alles flott und unterhaltsam sein, bestenfalls auch "interaktiv". Deshalb präsentierte Moderator Dirk Steffens eine Top 10 der interessantesten Fragen zum Thema, die dann anhand bunter Trickfilme umkreist und "von Prominenten und Wissenschaftlern" beschnuppert wurden.
Vor allem von Prominenten, denn mit John A. Kantara, Carolin Kebekus, Ingolf Baur, Max Moor, Jörg Thadeusz, Ines Pohl oder Gert Scobel, neuerdings mit genialischer Silbermähne, waren vor allem Moderatoren, Journalisten und andere professionelle Spaßmacher gefragt. Intelligente Leute also, die sich angesichts der Fragen intelligenter Leute, namentlich der 3sat-Zuschauer, auch mal in koketter Einfalt üben konnten.
Sind Frauen dümmer als Männer?
Sind Tiere intelligent? Kraken können Deckel aufschrauben und Krähen Werkzeuge benutzen, aber nein, Intelligenz ist eine von Menschen erfundene Kategorie, die Menschliches bezeichnet, zum Beispiel ein Gedicht, und Hunde schreiben keine Gedichte. Sind dann wenigstens Frauen dümmer als Männer? Darauf antwortet Thadeusz eher charmant als intelligent, ohne Frauen säßen Männer wohl heute noch in Erdlöchern und ernährten sich von Früchten, "die in den Zustand der alkoholischen Gärung übergegangen sind".
Was zur nächste Frage überleitete: Machen elektronische Medien dumm? Bilder von debil vor sich hindaddelnden Jugendlichen und Smartphone-Nutzer in der Fußgängerzone suggerieren: mal so, mal so. Macht Sport schlau? Bilder von Joggern, deren Hirne anschwellen, aber hallo! Wie wichtig sind Umwelt und Erziehung? Szenen von rumänischen Waisenkindern, dazu graue Wohnstalakmiten mit Satellitenschüsseln vor den Balkonen, also: vermutlich schon. Wird der Mensch im Alter klüger? Vielleicht schon, wenn er viele Kreuzworträtsel löst, aber auch schwerhöriger.
So geht das Schlag auf Schlag in der von SPIEGEL TV produzierten Sendung, wobei Dirk Steffens mal mit Hirnen in Einweggläsern hantiert, mal in einem leeren Hörsaal hockt und sich dort tricktechnisch vervielfältigt, damit uns beim Zuschauen vor Langeweile oder auch vor Intelligenz kein Speichelfaden aus dem Mund tropft. Auch die Schlussfrage, der Spitzenreiter "Kann man seine Intelligenz verbessern", wurde von den beiden einzigen Wissenschaftlern vorsichtig positiv, von den "Prominenten" eher abschlägig und speziell von Max Moor mit einer rätselhaften Parabel über die Kirche auf einem Berg beantwortet, die er beim Blick aus dem Zugfenster nicht wahrnimmt, in der er aber eines Tages begraben werden wird. What? Egal, es folgt ein idyllisches Bergpanorama mit Kirche auf Berg.
Nach 45 Minuten hat zumindest der Rezensent die Hälfte der Fragen vergessen und keine einzige valide Antwort mehr präsent. Das kann an den Antworten liegen oder am Medium. Vielleicht auch am Rezensenten selbst und seinem IQ von - nun ja. Was läuft eigentlich gerade bei RTL?