Deutsche TV-Entwicklungshilfe: Soko Kabul - DER SPIEGEL
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Afghanische TV-Produktion: Polizeimarke statt Schminkspiegel

Foto: ? Ahmad Masood / Reuters/ REUTERS

Deutsche TV-Entwicklungshilfe Soko Kabul

Smarte Ermittler statt korrupter Brutalos: Die mit deutschen Geldern bezahlte TV-Serie "Kommissar Amanullah" soll der Polizei in Afghanistan ein neues Image verpassen - und Frauen in den Job locken. Die Macherin ist selbst Polizistin und Schauspielerin, die Hauptrolle spielt trotzdem ein Mann.
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Eine Leiche wird gefunden, wenig später ist schon ein Kommissar am Tatort, untersucht, kombiniert und lässt sich vom Forensiker die Details erklären - bis schließlich beim Täter die Handschellen klicken. Abspann. Der Plot eines typischen TV-Krimis wird bald auch für einen Ermittler am Hindukusch gelten: "Kommissar Amanullah".

Der Fernsehpolizist soll ab kommendem Frühjahr in 20 Folgen Spuren im Wüstensand suchen und Mordfälle im Hinterland aufklären. Auf diese Weise will man ein modernes Bild der neuen, zivilen Polizei in Afghanistan vermitteln und das Interesse am Polizeiberuf wecken, teilte die European Union Police Mission (Eupol) mit. Unterstützt wird das Projekt vor allem von deutscher Seite: Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik finanziert es aus dem Topf zum Aufbau der afghanischen Polizei, für die Umsetzung vor Ort ist die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zuständig.

Zentrale Figur hinter dem ungewöhnlichen Projekt ist Saba Sahar, afghanische Schauspielerin, Filmemacherin - und Polizistin. In echt. Die 37-Jährige setzt sich nicht nur im Dienste des Innenministeriums für den Wideraufbau des Landes ein, sondern auch für die gesellschaftliche Anerkennung der afghanischen Frauen. In ihren Filmen tritt Sahar selbst oft als kämpferische Polizistin auf, die Recht und Ordnung für Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind, wieder herstellt. Ihr Engagement sorgte schon dafür, dass über Sahar selbst eine Dokumentation gedreht wurde: "Traumfabrik Kabul" feierte auf der Berlinale 2011 in der Sektion "Forum" Premiere.

Guter neuer Cop, böser alter Cop

Für "Kommissar Amanullah" soll sie jetzt die afghanische Polizei ins rechte Licht rücken. Die Hauptrolle wird zwar ein Mann übernehmen. Geht es nach den Machern, wird aber auch Sahar quasi als Co-Kommissarin eine tragende Rolle in der Serie bekommen. "Sie ist bekannt und wird sehr geschätzt. Wir würden sie gerne als 'sie selbst' darin sehen", sagt Harald Haendel von Eupol. Der Name des Titelhelden, "Amanullah", ist an den Gründer Afghanistans, König Amanullah, angelehnt, der in weiten Teilen der Bevölkerung sehr verehrt wird. Der Titel garantiert Aufmerksamkeit - und einen Sympathie-Bonus.

Das wollen die Verantwortlichen für ihre Zwecke nutzen: Die Serie soll schließlich die neue Polizei in ein gutes Licht setzen. Hier sind die Beamten nicht korrupt, sondern ermitteln mit Courage und kriminologischem Fachwissen. "In weiten Teilen ist das hier noch nicht so", sagt Haendel. "Kommissar Amanullah" zeigt also eine Art "Prototyp" des afghanischen Gesetzeshüters. Ein positiver Cop, der im schwierigen Umfeld arbeitet und auch Frauen in seinem Team hat.

Ein Aspekt, der vor allem Sahar am Herzen liegt. Bislang sind nur 1400 der 125.000 Polizisten in Afghanistan Frauen. Bis Ende kommenden Jahres sollen 5000 von dann 175.000 Polizisten weiblich sein, sagt Haendel. Ein geringer Anteil zwar, aber immerhin. Schließlich sei es oftmals gerade für Frauen wichtig, dass sie, wenn sie in den eigenen vier Wänden Gewalt erleben, sich einer Geschlechtsgenossin anvertrauen können. Deshalb soll Ermittler "Amanullah" auch vor allem mit Themen wie Gewalt gegen Frauen konfrontiert werden.

Außerdem, so erklärt Eupol-Mann Haendel, solle klargestellt werden, dass es beim Polizeiberuf nicht nur darum ginge, möglichen Anwärtern gleich eine Waffe in die Hand zu drücken und sie an Grenzposten abzustellen. Vielmehr solle das Berufsfeld des "Kriminalisten" eröffnet werden. Das geht am besten per Fernseher oder Radio, da in Afghanistan immer noch rund zwei Drittel der Bevölkerung weder lesen noch schreiben können. Informationsbroschüren bringen da wenig.

Die erste Klappe soll für "Kommissar Amanullah" im Januar 2012 fallen. Die Produktionskosten sind im Vergleich zu deutschen oder amerikanischen Serien überschaubar, 14.000 US-Dollar wird eine Folge voraussichtlich maximal kosten - obwohl alle Rollen von professionellen Schauspielern übernommen werden. Das Set hingegen fällt vergleichsweise klein aus, nur zwei bis drei Kameras sind eingeplant. Dafür soll schon im April 2012 die erste Folge ausgestrahlt werden.

Moderne TV-Ermittler wird es also schon sehr bald am Hindukusch geben. Jetzt muss nur noch die echte Polizei folgen.