Deutscher Netflix-Reinfall »Cassandra«: Funktional wie ein Algorithmus - DER SPIEGEL
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Deutscher Netflix-Reinfall »Cassandra« Funktional wie ein Algorithmus

Die deutsche Netflix-Serie »Cassandra« will ein retrofuturistischer Thriller à la Hollywood sein. Seine wacklige Hauptdarstellerin aus Plastik ist allerdings so furchteinflößend wie ein Staubsauger.
• aus DER SPIEGEL 6/2025
Netflix-Serie »Cassandra«: Ein Plastik-Android (Lavinia Wilson) zuckelt durch die Gegend
Netflix-Serie »Cassandra«: Ein Plastik-Android (Lavinia Wilson) zuckelt durch die Gegend

Netflix-Serie »Cassandra«: Ein Plastik-Android (Lavinia Wilson) zuckelt durch die Gegend

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Netflix

Einer der diffusesten Vorwürfe an einen Film oder eine Serie ist der, die Handlung sei »unrealistisch«. Realismus ist keine objektive Kategorie, auch wenn der Begriff danach klingt, und Filmemacher entwerfen in der Regel ganz eigene Welten, auch wenn die auf den ersten Blick unserer ähneln. Oft deutet der Vorwurf eher darauf hin, dass das Gesehene den Zuschauer nicht überzeugt, dass die Fantasie keine Flügel bekommt. In diesem Sinne ist die deutsche Netflix-Serie »Cassandra« zum Haareraufen unrealistisch. Das liegt an der Hauptdarstellerin, einem Haushaltsroboter aus den Siebzigerjahren, der dem Publikum Angst einflößen soll und daran hoffnungslos scheitert.

»Cassandra«: Ein Smarthome-System macht eine Familie verrückt

»Cassandra«: Ein Smarthome-System macht eine Familie verrückt

Foto: Netflix

Das Problem liegt allerdings noch tiefer und berührt beinahe alle Aspekte dieser misslungenen Möchtegern-Horrorserie. Die sechs Folgen erzählen von einer Familie aus Hamburg, die in einer nicht näher bezeichneten deutschen Provinz ein Haus bezieht. Das war lange unbewohnt und ist mit einem Smarthome-System ausgestattet.

Dazu gehört besagter Roboter, der nicht nur flüssige Gespräche führt, gegen die ChatGPT einpacken kann. Er macht sich auch umgehend daran, die Familienmitglieder zu manipulieren und gegeneinander auszuspielen.

Der Plastik-Android ist so wacklig wie die Dramaturgie

Als Zuschauer verbringt man viel Zeit damit, sich zu fragen, wie Cassandras Fähigkeiten allein rein technisch möglich sein können und warum sich eigentlich keiner der Protagonisten darüber wundert. Das liegt auch an dem lahm durch die Gegend zuckelnden Plastik-Androiden in weiblicher Gestalt, der ungefähr so viel Schrecken verbreitet wie ein Staubsauger. Nicht weniger wackelig ist allerdings die Dramaturgie, mit deren Hilfe Regisseur Benjamin Gutsche und sein Team die Geschichte zusammenflicken.

Erkennbar streckt sich »Cassandra« nach Vorbildern aus Hollywood

Erkennbar streckt sich »Cassandra« nach Vorbildern aus Hollywood

Foto: Netflix

Nichts überzeugt hier: nicht das Trauma, das die Familie durchlitten hat, nicht die komplizierte Romanze, die der Sohn mit einem Mitschüler erlebt, nicht die Eheprobleme der Eltern. Und erst recht nicht die penetrant mit deutschen Schlagern unterlegten Rückblenden ins Jahr 1971. Alles wirkt so funktional wie von einem Algorithmus errechnet und an keiner Stelle emotional involvierend oder gar glaubwürdig.

»Cassandra«. Netflix. Erste Staffel, sechs Folgen. Ab 6. Februar.

Erkennbar streckt sich »Cassandra« nach Vorbildern aus Hollywood, dort ist Retrofuturismus ja gerade schwer angesagt . Aber nirgendwo gestalten die Macher ihr Material mit eigenen Mitteln. Eine eigene Handschrift? Ist nicht erkennbar. Hier bleibt alles zähes Zitat.

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