Doku über Internet-Stars: Jeder Klick ein Kick - DER SPIEGEL
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ZDF-Doku: YouTube-Stars im Fernsehen

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Doku über Internet-Stars Jeder Klick ein Kick

Es geht auch ohne Dieter Bohlen: Die ZDF-Doku "Egal was ich tue, sie lieben es" erzählt von deutschen YouTube-Stars, die im Do-it-yourself-Verfahren zu Ruhm gekommen sind. Der Film bildet den Auftakt zu einer spannenden Reihe über digitale Lebenswelten.
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Die Großmutter ist besorgt. Einen richtigen Job soll sich die Enkelin suchen, denn wie die Jahre vergehen, das sei ja schade, sagt sie beim gemeinsamen Würstchenessen. Aber Amy, 22, will keinen richtigen Job. Sie ist YouTube-Star und will noch berühmter werden. Sie singt, modelt und stellt unter dem Namen "DiamondofTears"  persönliche Tagebuch-Videos ins Netz. Lässt sie zu lange nichts von sich hören, werden ihre Online-Fans unruhig. Ständig muss Amy nachlegen mit Fotos, Texten, Videos. Das Internet-Star-Sein kann ganz schön anstrengend sein.

Für ihren Dokumentarfilm "Egal was ich tue, sie lieben es" hat die 1982 geborene Filmemacherin Romy Steyer fünf junge Menschen in Deutschland besucht. Es sind Vertreter der YouTube-Jugend, die sich auf der Internetplattform selber inszenieren und mit virtuellen Identitäten spielen, beobachtet von vielen tausend Fans. Die "YouTuber" verbindet die Hoffnung, dass aus ihren ersten Klickerfolgen eine Karriere werden könnte, aus kurzen Videoclips mehr als nur ein Hobby.

Die Hausbesuche bei den Internet-Unterhaltern bilden den Auftakt zu der ZDF-Reihe "Bodybits". Gezeigt werden darin Nachwuchsfilme, die sich mit analogen Körpern in der digitalen Welt beschäftigt, mit virtuellen Identitäten und ganz realen Problemen. Die Redaktion des "Kleinen Fernsehspiels" hatte 2009 um Ideen gebeten. Das Neue bei der Ausschreibung: Die Vorschläge durften nur online eingereicht werden. Fünf Projekte wurden schließlich produziert, von denen vier jetzt im Fernsehen laufen.

Unterschiedlicher könnten diese Filme kaum sein: "Alice 5.0" (16.5., 0.20 Uhr) ist ein semi-dokumentarischer Essay über einen Blogger, der von einem übermächtigen Social Network an den Rand des digitalen Todes getrieben wird. Der Spielfilm "Pixelschatten" (23.5., 0.30 Uhr) erzählt die Geschichte eines Freundeskreises in der westfälischen Provinz, der durch die Veröffentlichung eines pikanten Online-Videos psychisch fast zerbricht. Am stärksten sticht aber "Schwerelos" (30.5., 0.20 Uhr) heraus: Die Autorin ist eine französische Raumfahrt-Ingenieurin, die in der Dokumentation ihrem Traum vom Weltall nachspürt und dabei feministische Technikkritik und -utopie einbaut.

"Egal was ich tue, sie lieben es" ist gewissermaßen der konventionellste Film in dieser Reihe. Neben der gepiercten und tätowierten Amy in Berlin, die in ihren Videos freimütig mal über das Barfußlaufen plaudert und dann vom Ritzen erzählt, porträtiert er drei grundbodenständige Jungs aus einer fränkischen Kleinstadt, die als "Y-Titty"  Comedy machen, sowie den abgeklärten Internet-Profi Sami aus Stuttgart. Der erklärt als "HerrTutorial"  in seinen Videos, wie man sich eine ordentliche Gesichtsmaske verpasst oder seine Zähne weiß bekommt.

Kein Plan aber viel Ahnung

Steyer zeigt den 20-jährigen Sami oft am Steuer eines Autos. Ständig muss er irgendwo hinfahren, zu einer Besprechung, zu einem Fan-Treffen, bei dem sich Dutzende Kids in einen Park treffen, um ihren Star anzuhimmeln. Sie überreichen ihm selbstgebastelte Geschenke. Mehr als 200.000 Abonnenten auf YouTube hat Sami, Zehntausende folgen ihm auf Facebook und Twitter. Das ist längst mehr als ein Hobby. Sami ist deutlich erfolgreicher als die eher planlose Amy, die von ihrer YouTube-Existenz nicht leben kann und kaum mehr als 100 Euro im Monat mit den Clips verdient.

"Ich will mich zum Thema Verdienstmöglichkeiten nicht äußern", sagt Sami vielwissend. Dann stellt ihm jemand Schuhe vor die Nase, die könne er ja mal in einem Video erwähnen. Schließlich fliegt der Videoblogger nach New York, um dort im Auftrag eines Zahnpastaherstellers bei der Fashion Week nach dem schönsten Lächeln zu suchen. In dem Film, der von seinen Protagonisten weitgehend selbst erzählt wird und ohne Sprechertext auskommt, ist in einer langen Einstellung eine startende Maschine am Stuttgarter Flughafen zu sehen: Vom Internetvideo aus dem Kinderzimmer zum Reportereinsatz in New York, so kann es gehen, ganz ohne Dieter Bohlen und Casting-Horror, vorbei an den klassischen Medien.

Bis auf den kurzen Auftritt der Großmutter konzentriert sich "Egal was ich tue, sie lieben es" auf die fünf jungen Filmer. Eltern und sonstige Vertreter des Analog-Zeitalters werden geradezu ausgeblendet. So behutsam der Film mit seinen Protagonisten umgeht, manchmal fehlt dann doch eine Nachfrage. Viele Konflikte werden nur angedeutet, etwa wenn Sami von Unternehmen als Werbefigur eingespannt wird oder sich zunächst gegen das Studium und für YouTube entscheidet. Oder wenn die drei von "Y-Titty" sich entscheiden müssen, wie ernst sie es mit einer Karriere in Köln meinen - und einer wegen seines Zivildienstes zurückbleiben muss. Trotzdem gelingen Romy Steyer exakte Beobachtungen, sorgsam arbeitet sie die unterschiedlichen Charaktere heraus.

Ihre fünf Youtuber mögen nicht immer einen genauen Plan von ihrer eigenen Zukunft haben, was sie dort im Internet anstellen, wissen sie trotzdem sehr genau. Der Film endet dann leider sehr abrupt. Die Youtuber haben sich auf ihren Weg gemacht, ob sie dort aber auch ankommen, wird sich erst noch zeigen. Dafür kann der Film nichts. Vielleicht schaut Romy Steyer ja noch einmal vorbei, in einem Jahr, und lässt die sympathischen Fünf wieder erzählen. Solange bleibt nur das Internet.


"Egal was ich tue, sie lieben es", ZDF, in der Nacht von Montag auf Dienstag um 0.15 Uhr und in der Mediathek