Dschungelcamp, Tag fünf: Kabel für den Metal-Mann
Dschungelcamp Gib uns ein Drama, Daniel!
Drama um Daniel! Am fünften Tag des freiwilligen Dschungelaufenthalts hält er es nicht mehr aus - das Heimweh hat ihn gepackt, im verregneten Pritschenlager weint er, weil er seinen Sohn nicht sehen kann. Das liegt nicht nur am Australien-Ekelurlaub: Ohne festen Wohnsitz bekommt er kein Besuchsrecht, da kann auch der Rabenflüsterer Vincent Raven noch so sehr Daniel Lopes' Hand halten. Und selbst wenn er das Dschungelcamp überstehen sollte, das Preisgeld würde umgehend gepfändet. Keine Wohnung, Schulden, stockende Musikerkarriere - selbst das sonst notorisch böswillige Moderatorenduo Sonja Zietlow und Dirk Bach wirken für einen Moment ernsthaft betroffen.
In solchen Krisenmomenten zeigt das Format Dschungelcamp, worum es wirklich geht: Menschen brechen. Daniel Lopes sagt in die Kamera, so wollen es die Spielregeln: "Ich bin ein Star, holt mich hier raus." Aber natürlich ist Daniel Lopes kein Star, war es vielleicht nie. Man kann davon ausgehen, dass er das nur zu gut weiß. Sich selbst als Star zu bezeichnen, das ist in diesem Moment kein ironisches Spiel einer lustigen TV-Sendung, es ist der Offenbarungseid. Es ist die ultimative Demütigung - nicht das Snacken von Krabbeltieren und Innereien. Wer für RTL in den Dschungel geht, der giert so sehr nach Aufmerksamkeit oder nach dem Scheck, dass es weh tut.
Mit anderen Worten: ganz großes Privatfernsehen. Doch zunächst absolvieren der grundsolide wirkende Martin Kesici und die wortkarge Brigitte Nielsen eine Aufgabe. Kesici hält mit einigem Kraftaufwand zwei Kabel zusammen, damit Nielsen in einer dunklen Höhle Licht zum Suchen von Schlüsseln hat. Klingt unspektakulär? Genau. Dann bekommen Ramona Leiß und Vincent Raven Fischaugen, Schweineanus, Kakerlaken und Sperma aufgetischt und vertilgen das Dschungelgelöt brav und weitestgehend, ohne die unbekannten Geschmäcker groß zu beschreiben. Nur Leiß würgt ein bisschen.
Heimweh und Brechreiz, es ist dann doch nur die banale Dschungelroutine, die hier abgespult wird. Der Sendung mangelt es ganz offenbar an neuen Ideen. Diese Ausgabe plätschert nur so dahin, trotz des Daniel-Dramas. Die Luft ist raus, nicht nur bei Jazzy, die nach Verdauungsproblemen einen erfolgreichen Furz feiert.
Gegen Ende der Sendung hat sich Daniel dann plötzlich doch anders entschieden: "Ich hab mir noch mal überlegt, ich zieh durch, ey." Großer Jubel unter den "Stars", Drama-Daniel bleibt der Gruppe erhalten. Am Rande erwähnt er, dass er auch bei einem Ausstieg nicht sofort nach Hause gekommen wäre, sondern noch eine Woche in Australien festgesessen hätte - womöglich fehlte ihm zum Exit das nötige Geld für den überstürzten Rückflug auf eigene Rechnung, aber das ist nur eine Vermutung.
Auch wenn seine Rücktritt-vom-Rücktrittsgeschichte weitgehend im Dunkeln bleibt: Natürlich ist Daniel Lopes der Dschungelkönig des Tages.
Ekelfaktor: Der aktuelle Burger einer Fastfood-Kette in der Werbepause. Dann doch lieber geröstete Mehlwürmer.
Erotik-Faktor: Micaela Schäfer rennt manchmal ohne Hose durchs Bild, Ailton pinkelt ins Camp und wird dabei von einer Kamera frontal gefilmt - also eher keiner.
Entertainment-Faktor: Allenfalls unterer Dschungelcamp-Durchschnitt.
Dschungelweisheit des Tages: "Man sollte Frauen in Führungspositionen auf die Finger schauen" (Vincent Raven)
RTL kürt den Dschungelkönig der sechsten Staffel von "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!", SPIEGEL-ONLINE-Autoren küren nach jeder Sendung ihren Gewinner des Tages.