Tag 2 im Dschungel: Schrumpfschlüpfer gegen Kurzkopffrosch
Dschungelcamp, Tag 2 Schrumpfschlüpfer gegen Kurzkopffrosch
Elf Kandidaten sitzen im Dschungelcamp, einige von ihnen mit durchaus vielversprechenden Kauzigkeits-Ansätzen. Am zweiten Tag aber konzentriert sich "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" auf zwei Teilnehmer, die sich einen packendem Kampf um die Aufmerksamkeit der Zuschauer liefern. Ring frei für Wirr-Model Larissa Marolt versus Schmalzbaron Michael "der" Wendler - dingdingding!
Erste Runde: Dramapotential
Es ist ein schlimmes Schicksal: Der Wendler ist ein feiner Mann, biberfleißig, niemals an irgendetwas schuld, macht keine Fehler - doch alle hassen ihn. So beklagt der Schmerzensmann sich bitterlich bei seinen Camp-Kumpanen: "Was die Leute oft vergessen: dass ich auch nur ein Mensch bin."
Keine schlechte Ausgangsposition, doch Larissa verwandelt diese Disziplin mit einer dreifach-gezwirbelten Pathos-Pirouette im Handstreich für sich: "Mein Herz ist tot! Ich werde den Dschungel nicht überleben!"
Zweite Runde: Schauspielqualitäten
Nach eigenem Bekunden kam der Wendler ins Camp, um sein Image zu ändern und den Leuten sein "wahres Ich" zu zeigen. Es scheint ihm damit zu pressieren, eventuell hat er geistig auch schon das Köfferchen für einen verfrühten Camp-Exitus gepackt. "Ich war hier an keinem Tag der Wendler", sagt der Wendler, und performt dann - dramaturgisch unglaubwürdig, weil schlicht zu früh - einen Schluchzausbruch samt falscher Säuselgruselstimme und Gefühlskrämpfen: Nur die Fans, presst er mit wegsackender Stimme hervor, hätten ihn gerettet in der schlimmen, schlimmen Zeit. Schluck! "Meine Frau hat oft…nächtelang…geweint." (greinend ab)
Abermals keine schlechte Vorlage, doch eventuell ist Larissa die beste Schauspielerin von allen, die man je im Fernsehen gesehen hat (und aller, die noch kommen werden). Sie beherrscht einfach alles: Die hingetupfte Wut-Miniatur ("Lass mich, ich will jetzt in Ruhe meine Zigarette rauchÖÖN!") genauso wie die volkstümlich-deftige Milieustudie ("Ich kann nicht kacken ohne Kaffee").
RTL-Dschungelcamp 2014: Die Kandidaten der neuen Staffel
Ihr Paradestück aber ist der große Schwer-von-Kapee-Monolog: "Ich hab gedacht, dass des a fake-Dschungel ist. Dass es alles präpariert ist. Und jetzt? Schau dir die Scheiße hier an!", zetert sie, Ifflandring-reif. "Ich hasse den Dschungel. Das ist alles so echt. So widerlich." Beim wackligen Überschreiten der Hängebrücke keift sie sich schließlich mit leidenschaftlichem Ausdruck in die Herzen aller Statiker, weltweit: "Bauts amoal a andere Brücke her!"
Selbstredend, dass auch diese Runde an Larissa geht. Sofern sie keine ernsteren Probleme hat, sondern wirklich nur spielt. "Wenn sie das schauspielerisch leistet, dann sind wir alle kleine Würstchen", sagt Winfried Glatzeder. Eventuell liege aber auch eine psychische Störung vor, diagnostiziert er, denn er kennt sich damit aus: "Ich wohne gegenüber von einem Irrenhaus."
Dritte Runde: Sinnsprüche aufsagen
Der Wendler legt mit "Der Dschungelkönig ist der König des Dschungels" vor, Larissa übertrumpft ihn auch hier: Ihr "Wenn ich mir das Genick brech, verklage ich RTL" ist das neue "Ich will hier nicht tot aufwachen", mit dem der spätere Dschungelkönig Joey in der letzten Staffel reüssieren konnte.
Außer Konkurrenz: Glatzeder mit einem Appell an die Zuschauer, Larissa nicht mehr in die Prüfungen zu wählen: "Man tritt ja nicht auf einen Regenwurm, der schon angetreten ist."
Vierte Runde: Besondere Fähigkeiten
Auffälliges Sonderfeature des Wendlers war bis jetzt sein unguter Schrumpfschlüpfer, den er allerdings nur am ersten Tag präsentierte. Naturgemäß geht also auch diese Runde an Larissa. Sie überzeugte bei ihrer Dschungelprüfung (herumkriechen in einem Erdtunnelsystem) mit einer Kreischtechnik, die sie sich unzweifelhaft beim Namaqua-Kurzkopffrosch abgeschaut hat. Das kleine Tier verjagt mit Brüllen seine Feinde, das Model wollte damit ebenfalls wilde Tiere verjagen. Ansonsten stellte sie nach der Prüfung (und dem langsamen Einsickern der Erkenntnis, wahrhaftig im Dschungel zu sein) beachtliches Reflexionstalent unter Beweis: "In Zukunft lese ich mir den Vertrag durch und schau mir Sendungen an, bevor ich mitmache."
Der Wendler-Song zum Tage: Passend zu seinem Krokodilstränenauftritt: "Der Heuchler" ("Er hat dich jede Nacht belogen, er hat dich jede Nacht betrogen. Wann wird dir klar, dass er ein Heuchler war?").