DSDS: Bohlen fährt jetzt auch Bus - DER SPIEGEL
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Neue DSDS-Staffel: Wann kommt der Bus?

Foto: Frank Hempel/ RTL

"Deutschland sucht den Superstar" Auf den Bus gekommen

Betagte TV-Shows werden neuerdings gern in einen Bus verfrachtet, um neuen Schwung in die Chose zu bringen. Wie Heidi Klum und ihre Models gondelt nun auch "DSDS" von Show zu Show. Abgefahren? Eher panne.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Los ihr Arschgeigen, auf zur Arbeit", sagt Dieter weißgebissig zu seinen Restjuroren, und dann nimmt das Elend seinen Lauf.

Die traditionellen Mottoshows, bei denen sich die DSDS-Kandidaten in den vergangenen elf Staffeln jeweils durch eine Musikrichtung knödelten, sind passé, ab jetzt wird mit dem DSDS-Bus jede Woche eine andere Event-Location angefahren. Oder besser: angefahren worden sein, denn anders als bisher sind die Shows vor Publikum aufgezeichnet, nur die Finalsendung ist live. Das hat den bizarren Effekt, dass man sich zu Hause in stockfinsterer 22.30-Uhr-Nacht die taghellen Gesangsauftritte im grellsonnigen Ischgl anschauen muss. Allein dieses Fehlkonzept baut so viel Distanz und damit Raum für Fremdscham auf, dass einem die bisherigen Veranstaltungen in der Rückschau wie glamouröse Galavorstellungen erscheinen.

"Wer friert uns diesen Moment ein/besser kann es nicht sein", beginnt das Auftakt-Kandidatenmedley in tragischer Ironie. Wer da genau in 2500 Meter Höhe tiefgekühlt und eine Woche später aufgetaut wurde, ist wie immer eher nebensächlich, man kennt sie schon, die DSDS-Archetypen:

  • da ist Zupf-Augenbrauenopfer Severino, der sich beim Schnee-Einseifen der DSDS-Reporterin Tanja Titschewitsch einen Meniskusriss zuzog.
  • der sängerisch mäßig begabte, aber posterputzige Robin.
  • der italienische Schmalzier Antonio, der sehr gut singen kann und versucht, sich einigermaßen würdevoll durch all die Pein zu manövrieren.
  • außerdem Jeannine, die als "neue Helene Fischer" gehandelt wird, obwohl die alte Helene Fischer ja noch gar nicht aufgebraucht ist.

Worum geht es hier eigentlich?

"Die schönsten Stimmen wollen wir heute hören", sagt Jurymitglied Heino zu Beginn der Ischgl-Auftritte. Erst denkt man: Danke für die Plattitüde. Um was sonst sollte es schließlich bei einer solchen Sing-Show gehen?

Doch dann fordert Moderator Oliver Geissen vor dem Auftritt von Kandidatin Laura erst mal alle männlichen Zuschauer auf, jetzt noch schnell eine Beruhigungstablette einzuwerfen, denn Laura sei "so hot, gegen die sieht Rihanna aus wie ein Sack Schrauben". Kaum eine halbe Stunde später fragt er die gleiche Laura bei der Entscheidung scheinheilig: "Ich glaube, es ist nicht leicht, wenn man aussieht wie du, wenn man so einen Körper hat, dann immer darauf hinzuweisen, was für eine tolle Stimme du hast".

Das allerdings wird natürlich noch von dem immer unverfrorener ins Lustgreisige changierenden Dieter Bohlen getoppt: "Im Studio können wir alles machen, was du willst, hehe." Und Laura im knapp poschürzenden Pinkfummel mäuselt leise ihr "Danköööschön."

Bei Kandidatin Seraphina hat Bohlen zwar den zu langen, weil fast knielangen Rock zu bemängeln, findet aber ansonsten positive Worte: "Wenn dir was stinkt, bist du ne Kratzbürste und sagst: Ihr könnt mich alle mal, das finde ich echt geil." Der Gesang wird mit keinem Wort erwähnt, nicht einmal halbambitioniert gelogen, die Stimmqualitäten seien irgendwie relevant.

Abschlussklasse mit Neigung zur Papageienkleidung

Dafür wird ordentlich Schmu getrieben, als schließlich nach den Auftritten kurz vor Mitternacht zur Entscheidung noch einmal live nach "Ischgl" geschaltet wird: Zwar haben alle Beteiligten dieselben Klamotten an wie während ihres Auftritts vor ein paar Minuten (also Tagen), doch insgesamt wirkt die ganze peinliche Inszenierung eher so, als wartete eine Abschlussklasse mit Neigung zur Papageienkleidung hier auf den Nachtbus nach Lloret de Mar.

Unklar, auf welchem verlassenen Parkplatz, in welchem nächtlichen Industriegebiet (oder doch vor dem Kölner Coloneum?) Kandidaten, Geissen, Kandidatenklatschfamilien und natürlich der Bus "direkt aus Ischgl" da im Livepart der Show herumstehen. Auf dem Bus mitten in dieser nächtlichen Showtristesse steht übrigens allen Ernstes "Die größte Show ever", vor dieser Chuzpe muss man dann doch den Hut ziehen.

Oliver Geissen salbadert darüber, wie "der Zuschauer" die Auftritte wohl empfunden habe, und man fragt sich ganz kurz, ob er einen selbst damit meint, ob man vielleicht tatsächlich der einzige Zuschauer ist.

Wäre doch nicht nötig gewesen, der ganze Aufwand!

Und als man dann meint, dass es nicht mehr schlimmer, billiger und peinlicher werden kann, wird einem auch noch das Letzte genommen, das einen noch lose an die früher mal zumindest trashrelevante Sendung band: Notar Dr. Fleischhauer, der einem in den vergangenen 56 Staffeln ans Zuschauerherz gewachsen ist, der Dr. Bob in der DSDS-Schlangengrube, der Dr. Müller-Wohlfahrt für erschöpfte Entscheidungsmarathongucker, Dr. Fleischhauer also fehlt. Weg, verschwunden, ersetzt, ohne ein Wort der Erklärung von RTL . Auch das noch.

Einer nach dem anderen steigen die weitergewählten Kandidaten in den Bus ein, die ausgeschiedenen trollen sich in die Industriegebietsnacht: "Ich geh dann jetzt, wohin auch immer."

Dann wirft das DSDS-Gefährt den Motor an und rollt davon, zur nächsten sogenannten Eventshow in der Balver Höhle. Nur der Bus mit den Leuten, die sich diesen unterhaltungstechnischen Totalschaden auch nächste Woche noch einmal ansehen wollen, der muss irgendwo unterwegs steckengeblieben sein.

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