ESC-Häppchen: Zu teuer? Ach was! - DER SPIEGEL
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ESC-Häppchen Zu teuer? Ach was!

Seid gerechtfertigt, Millionen: Die ARD-Vorsitzende Monika Piel reagiert auf die Kritik an den hohen Kosten, mit denen der ESC die Gebührenzahler belaste. Die ARD habe "die Fernsehkosten für dieses weltweit einmalige Event merklich gesenkt", argumentierte Piel.
General view during the second semifinal of the Eurovision Song Contest (ESC) in Duesseldorf, Germany, Thursday, May 12, 2011. The final of the ESC will be held on Saturday. (AP Photo)
General view during the second semifinal of the Eurovision Song Contest (ESC) in Duesseldorf, Germany, Thursday, May 12, 2011. The final of the ESC will be held on Saturday. (AP Photo)

General view during the second semifinal of the Eurovision Song Contest (ESC) in Duesseldorf, Germany, Thursday, May 12, 2011. The final of the ESC will be held on Saturday. (AP Photo)

Foto: AP
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Düsseldorf - Der Countdown läuft: Am kommenden Samstag entscheidet sich beim Eurovision Song Contest, ob Lena Meyer-Landrut die europäische Gesangskrone verteidigen kann. SPIEGEL ONLINE verkürzt die Zeit bis zum großen Tag - mit aktuellen Meldungen, Berichten von Korrespondenten und Hintergrund zum Mega-Event.

+++ Hoch die internationale Solidarität der Gebührenzahler! +++

Monika Piel hält die Kosten für den diesjährigen Eurovision Song Contest keineswegs für eine gigantische Gebührenverschwendung. Die ARD-Vorsitzende appellierte vielmehr an die europäische Solidarität der deutschen Gebührenzahler. Deutschland richte die riesige Veranstaltung erst zum dritten Mal aus. "52 Mal haben die deutschen Fernsehzuschauer von den finanziellen Anstrengungen der anderen Gastgeberländer profitiert. Ich finde, da müssen wir nach dem großartigen Sieg von Lena im letzten Jahr auch unsere Verantwortung annehmen", so Piel. "Was sollen die Iren sagen - die haben bereits siebenmal gewonnen!"

Außerdem komme die ARD nach eigenen Angaben deutlich billiger davon als die Ausrichter der Vorjahre. Die Gebührenzahler in Deutschland müssten rund 12 Millionen Euro aufbringen, teilte Piel am Freitag in Köln mit. "Die ARD hat also die Fernsehkosten für dieses weltweit einmalige Event merklich gesenkt", betonte die ARD-Chefin. "Das norwegische Fernsehen hat 2010 etwa 16,25 Millionen Euro ausgegeben, und Moskau lag noch deutlich darüber." Die immer wieder genannte Gesamtsumme von mehr als 25 Millionen Euro sei nicht identisch mit den Fernsehkosten.

twi/ddp/dpa

+++ Lena-Semmel mit erotischer Aufladung +++

Düsseldorf herzt Lena - vor allem die ansässige Gastronomie. Lebensmittelgeschäfte und Kneipen zollen ihr kulinarisch Tribut -mit viel Liebe und intimen Einblicken in das Wesen der Künstlerin. So fühlte sich eine Bäckerei durch Lenas erotisch aufgeladenen Song "Taken by a Stranger" zu dem Vollkorn-Brötchen "Scharfe Lena" inspiriert - in Herzform mit Paprikastückchen und ganzen Pfefferkörnern.

Und an der Strasse Altestadt am Ende der längsten Theke der Welt bietet eine Kneipe ein "Lena Jedeck" an. Es besteht aus einem Altbier und einem finnischen Lakritz-Wodka. Das heizt unter Fans natürlich Spekulationen an, wie es um das Verhältnis zwischen Lena und dem gleichaltrigen Paradise Oskar aus Finnland wirklich bestellt ist.

Eine Steakhaus-Kette hat - womöglich angeregt durch Lenas künstlerische Wandlung von der blutigen Anfängerin zum ausgekochten Profi - ein Steak nach ihr benannt. Hoffen wir, dass wir am Samstagabend zum Finale allen Grund haben, "Well done!" auszurufen.

Nicht allen Rheinländern allerdings ist das nötige Lena-Feingefühl gegeben. Unverständnis möchten wir an dieser Stelle über eine Kölner Brauerei zum Ausdruck bringen. In völliger Ignoranz der nationalen Aufgabe, die Lena für uns alle zu bewältigen hat, missbraucht das Unternehmen die Begeisterung für das Düsseldorfer Großereignis, um die alte Städtefehde zwischen den Rhein-Metropolen anzuheizen. Auf einem Plakat mit einem Glas Kölsch -ein Erfrischungsgetränk, von dem Kölner behaupten, es handele sich um Bier - heißt es: "Unser Beitrag für Düsseldorf"

+++ Obacht vor harmlos tuenden Skandinaviern! +++

[Mittwoch, 17:20 Uhr] In der Typologie der fiesen Chefs fehlt bislang der jungenhafte Skandinavier, der mit legerer Kleidung und rotblonder Strubbelfrisur vortäuscht, ein angenehmer Typ zu sein, der einem in Wahrheit aber die Hölle heiß macht. Diesen Eindruck vermittelte jedenfalls Jon Ola Sand, der Chef der European Broadcoasting Union (EBU), die für die Ausstrahlung des Eurovision Song Contest (ESC) verantwortlich ist. "We are not happy", sagte der Norweger auf einer ad hoc einberufenen Pressekonferenz am Nachmittag in Düsseldorf.

Er formulierte das zwar knapp, aber schneidend. Mindestens zehn Ländern hatten bei der Übertragung des 1. Halbfinals mit Tonausfällen zu kämpfen. "Wir entschuldigen uns für diese Pannen", sagte Thomas Schreiber, verantwortlicher ESC-Mann bei der ARD, "unser Anspruch ist es, eine Show zu machen, die hundert Prozent überzeugt."

In Bezug auf die nationalen Kommentatoren vom ESC, die wie zwölf Punkte zur Show dazugehören, kam auf der Pressekonferenz die Frage auf, ob sich die betreffenden Länder bei der EBU oder dem NDR beschwert oder sogar die Telefonabstimmungsergebnisse angezweifelt hätten. Davon wussten Schreiber und Sand nichts zu berichten - wohl aber davon, dass die Fehleranalyse schon Dienstagnacht begonnen worden war und man mittlerweile den Fehler gefunden und behoben habe. Außerdem kündigte man für den Mittwochabend, also mit viel Vorlauf vor dem zweiten Halbfinale, einen Stresstest für die Verbindungen an.

hpi

+++ Lenas Zukunft? Gassi gehen und studieren +++

[Mittwoch, 16:05 Uhr] Es wurde ihr schon häufiger ein gewisser Welpencharme nachgesagt. Demnächst nun hat Lena einen ganz realen Hund an ihrer Seite. Die Sängerin wird zwar erst am 23. Mai 20 Jahre alt, hat den Vierbeiner aber schon als vorgezogenes Geburtstaggeschenk bekommen. Fuzi heißt das Kerlchen, wie sie am am Mittwoch in Düsseldorf verriet. Er sei ein Rassehund, ein Bolonka Zwetna, "ganz klein und weiß und kuschelig", der ihrer Meinung nach aussieht wie ein "Malteser-Havaneser-Yorkshire-Mix".

Lena sagte auch, was sie sich für die Zeit nach dem ESC vorstellen könne - vielleicht ein Theologie-Studium. "Ich finde das total interessant", meinte die Vorjahressiegerin, die im Fall eines erneuten Grand-Prix-Sieges nicht noch einmal antreten will. Sie wolle "auch mal was anderes machen", sagte der Jungstar. Was genau, wisse sie allerdings noch nicht. "Vielleicht irgendwie Ausland, vielleicht aber auch hierbleiben und irgendwas studieren oder auch gar nichts."

cbu/dpa

+++ Lenas Komponist: Eine Band wäre besser gewesen +++

[Dienstag, 16:28 Uhr] Lena wird mit Tänzerinnen in silbernen Ganzkörperanzügen auftreten - der Komponist ihres

ist ihres Songs "Taken By A Stranger" sähe die Sängerin lieber von einer Band unterstützt. "Im Vergleich zu Lena sind meine Vorstellungen ganz anders", sagte Gus Seyffert. Das Lied, mit dem Lena am Samstag als Titelverteidigerin an den Start geht, hatte der US-Amerikaner ursprünglich gar nicht für die Deutsche geschrieben. Stattdessen komponierte er "Taken By A Stranger" für Monica Birkenes, die als Co-Komponistin aufgeführt ist. "Sie war damals auf der Suche nach Liedern für ein neues Projekt. Am Ende wurde der Song aber doch nicht gebraucht", sagte Seyffert. Die Plattenfirma von Birkenes habe Lena das Lied dann später angeboten.

Die stimmlichen Schwächen von Lena empfindet der Musiker nicht als gravierend. "Ich mag ihre Stimme. Sie hat zwar ein paar Probleme mit der Intonation, aber das stört mich nicht", sagte Seyffert. Viel wichtiger sei, dass die 19-Jährige die richtige Einstellung habe. An einen Sieg von Lena in Düsseldorf glaubt der Komponist jedoch nicht. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie zweimal hintereinander gewinnt", sagte Seyffert. Dennoch werde er als Komponist des Liedes nach Düsseldorf kommen, mit der 19-Jährigen mitfiebern und ihr "natürlich die Daumen" drücken.

+++ Verschwörungstheorien rund um den ESC +++

[Dienstag, 15:18 Uhr] Crime Scene Düsseldorf: Ob sie auch den Tod von Osama Bin Laden anzweifeln, ist unbekannt. In jedem Fall sind Verschwörungstheorien zum Eurovision Song Contest unter Mitarbeitern der Düsseldorfer Verkehrsbetrieben weit verbreitet. Am Bahnsteig passieren zwei Ordnungskräfte, beide Mitte 20, beide sorgfältig gestylte Kurzhaarfrisuren. "Es gewinnt doch eh das Land mit dem meisten Geld", sagt der eine. Seine Kollege antwortet: "Zum Beispiel Russland!" Und auch in der U-Bahn ist Kriminalität rund um den ESC ein Thema. Per Lautsprecher wird informiert, dass das Risiko von Taschendiebstählen während des Wettbewerbs ansteige - und das in drei Sprachen. So fährt man Richtung Arena mit den schönen Worten im Ohr: "Nous vous souhaitons un bon voyage. Votre Rheinbahn"

+++ "Ich bin der Bundeskasper" +++

[Montag, 19.54 Uhr] Es ist eine Frage der Höflichkeit, sich als Journalist bei Pressekonferenzen vorzustellen. Man sagt seinen Namen, nennt das Medium, für das man arbeitet, und stellt seine Frage. Routine.

Doch sitzt man Stefan Raab gegenüber, gerät diese Pflichtübung zum Spießrutenlauf. So veralbert der ewige Klassenclown die Reporter an diesem Montagabend in Düsseldorf abwechselnd wegen ihres Aussehens, Nachnamens oder Arbeitsgebers. "Antenne Unna? Ich wusste gar nicht, dass ihr da schon Antennen habt?" "Tagesschau? Ach, du Scheiße!"

Überhaupt bewegt sich die Pressekonferenz mit den Moderatoren einer der aufwendigsten Unterhaltungssendungen der Welt auf dem Niveau einer aus dem Ruder gelaufenen Vertretungsstunde. Und das liegt vor allem an Raab. Ernsthafte, unironische Antworten bekommen die Journalisten von ihm nicht - sein Gesicht ziert das stetige Haifischlächeln.

Es ist die Masche, die "TV Total" so erfolgreich gemacht hat - Motto: Frechheit siegt - und die für Raab den unschlagbaren Vorteil hat, das der Clown niemals lächerlich ist. Sondern immer die anderen.

Die Moderation des Eurovision Song Contests mit seinen 120 Millionen Zuschauern? Für Raab Pillepalle. "Ein sehr einfacher Job", tönt er. "Nichts ist einfacher." Das mache er jeden Tag. "Bei der Moderation muss ich 20 Sätze sagen." Nur Co-Moderatorin Judith Rakers - der vielleicht die "Tagesschau" nicht mehr glamourös genug ist, weshalb sie nun lieber Schlager ansagt - habe Angst vor der Show. Behauptet Raab und grinst. "Hab ich nicht", piepst Rakers. Sie ist ein leichtes Opfer des Spötters.

Der Rest sind Phrasen: Der Zeitplan für die Moderation sei sehr eng, sagt Anke Engelke. Sie freue sich, die Sendung mit den Zuschauern zu teilen. Sie genieße es, vor Menschen aufzutreten. Und so weiter.

Doch am Schluss, nach der Pressekonferenz, lüftet Raab für einen kurzen Augenblick doch noch sein Visier. "Was wir hier machen", sagt er SPIEGEL ONLINE, "ist Kasperletheater im ganz großen Stil. Und ich bin der Bundeskasper, sozusagen."

Jörg Diehl

+++ Verletzungen bei Empfang +++

[Montag, 18.28 Uhr] Mehrere Personen haben bei einem Empfang zum Eurovision Song Contest in Düsseldorf Haut- und Augenreizungen erlitten. 15 Schaulustige am roten Teppich ließen sich nach der Veranstaltung am Samstagabend ärztlich behandeln, sagte ein Stadtsprecher am Montag. Er bestätigte damit in Teilen einen Vorabbericht des "Express".

Dem Bericht zufolge sollen die Verletzungen von zu grellen Scheinwerfern verursacht worden sein. Der Sprecher sagte hingegen, die Ursache sei noch unklar und Gegenstand polizeilicher Ermittlungen. Für die Beleuchtung am roten Teppich sei eine Fachfirma engagiert worden.

Bei der Veranstaltung im Anschluss an die Proben zum Song Contest hatte Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers am Samstagabend die Delegationen aller 43 teilnehmenden Nationen sowie weitere 500 geladene Gäste empfangen.

+++ Jan Delay macht den Pausenclown +++

[Montag, 17.45 Uhr] Jan Delay und seine Band Disko No. 1 werden beim Eurovision Song Contest auf der Bühne stehen. Während die Zuschauer nach den Auftritten der Kandidaten per Telefonabstimmung den Sieger küren, unterhält der Künstler das Publikum in der Düsseldorfer Arena, teilte der Norddeutsche Rundfunk am Montag mit.

In der Pause des ersten Halbfinales am Dienstag werden die Cold Steel Drummers, eine Gruppe von 20 Trommlern aus den USA, auftreten. Beim zweiten Halbfinale am Donnerstag verkürzen die Flying Steps, eine Tanzgruppe aus Berlin, dem Publikum vor Ort die Wartezeit bis zur Entscheidung.