Fußball-Talk bei Jauch - DER SPIEGEL
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Fußball-Talk bei Jauch Dann lieber "Waldis WM-Club"!

Über die Fußball-WM mit all ihren Problemen wollte die Runde bei Günther Jauch diskutieren: "Fest oder Fiasko?" war das Thema. Heraus kam stattdessen belangloses Geplauder - auch thematisch war Brasilien sehr weit weg.
Fußball-Talk: Bela Rethy, Peter Lohmeyer, Claudia Roth, Günther Jauch, Jens Lehmann und Edmund Stoiber
Fußball-Talk: Bela Rethy, Peter Lohmeyer, Claudia Roth, Günther Jauch, Jens Lehmann und Edmund Stoiber

Fußball-Talk: Bela Rethy, Peter Lohmeyer, Claudia Roth, Günther Jauch, Jens Lehmann und Edmund Stoiber

Foto: imago
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was war das Spannendste an der Sendung?

Das Warten auf das Thema - "Fußball-WM in Brasilien - Fest oder Fiasko". Kam nach knapp einer Dreiviertelstunde erstmals zur Sprache. Leider auch nur für ein paar Minuten, und eine davon ging für die Kindheitserinnerungen von Béla Réthy ("Ich habe das WM-Finale 1966 über Lautsprecher in einem Park in São Paulo gehört") drauf. Als es konkreter hätte werden können, sagte leider jemand "Katar", und schon schwenkte die Gäste-Runde mit ihrer Wut um.

Wer war denn noch da außer Béla Réthy?

Peter Lohmeyer etwa, Schauspieler und Schalke-Fan. Claudia Roth und Edmund Stoiber, obwohl der Wahlkampf ja vorbei ist. Warum sie eingeladen waren? Keine Ahnung. Jens Lehmann saß auch noch in der Runde, immerhin ein Fußballer.

Hatten die Sätze von Stoiber mehr Struktur als das Spiel der Deutschen gegen Kamerun?

Nein. Gegen die Zusammenhanglosigkeit seines Redeschwalls verblasst der Torjubel jedes brasilianischen Radioreporters. Hier ein paar Zitate aus seiner Eröffnungsrede: "Körperliche Härte war früher das Maß der Deutschen" - "Wir spielen gegen afrikanischen Mannschaften eigentlich seltener" - "Kamerun war zwischen Genie und Wahnsinn" - "Die anderen sind nicht so einfach zu besiegen". Und das waren noch die sinnvolleren.

Konnte da überhaupt jemand mithalten?

Natürlich Claudia Roth. Fußballfan von klein auf, begeisterte Panini-Bilder-Sammlerin und "total betroffen" von allem, was mit FIFA, Korruption, Gazprom und natürlich Katar zu tun hat. Dort hat sie sich sogar persönlich ein Bild vor Ort gemacht. Ihr Urteil: Bei 50 Grad kann man nicht spielen. Auch den Fans ist es dann zu heiß. So werde der Fußball kaputt gemacht.

Gab es auch ein wenig positive Stimmung in der Sendung?

Zu Beginn, als jeder in der Runde ein wenig über seine schönsten WM-Anekdoten plaudern durfte. Und sogar ein paar Szenen aus dem Film "Das Wunder von Bern" über die Mattscheibe flimmerten. Da hat ja auch Lohmeyer mitgespielt. Auch wenn das alles nichts mit dem Thema zu tun hatte. Und jeder halbwegs vernünftige Zuschauer weiß: Wenn irgendwo die Stichworte "Malente", "Geist von Spiez" oder "Schlucksee" fallen, ist es höchste Zeit, schnell den Aus-Knopf zu drücken und erst dann wieder einzuschalten, wenn der Ball wirklich rollt.

Aber die Sendung ging eine Stunde, das kann doch nicht alles gewesen sein.

Doch. Nun gut, ein paar Sachen wurden noch angeschnitten, aber alles alte Kamellen. Die Großkreutz-Hotellobby-Geschichte. Die 18 Punkte von Jogi Löw in Flensburg. Sogar Uli Hoeneß hatte noch einmal seinen Auftritt. Es ging aber nicht um Steuern, sondern um seine Wutrede aus dem Jahr 2007, um ein paar Sätze und "wahren Fans" und "Edelfans" zu verlieren. Immerhin ist Stoiber auch Aufsichtsratsmitglied beim FC Bayern und froh, "dass der FCB nicht einem Scheich gehört". Beim Stichwort "Scheich" hetzten sofort alle wieder gegen Katar, und die Diskussion war wieder weit, weit weg vom angekündigten Thema.

Was fehlte?

Dass jemand das Wort "Turniermannschaft" in den Mund nahm.

Was durfte nicht fehlen?

Claudia Roths Einwurf, dass eine Nationalmannschaft mit Özil, Khedira und Podolski "die ganze Buntheit der Bundesrepublik Deutschland" abbilde.

Gab es denn trotzdem ein paar Erkenntnisse?

Ja. 1. Die FIFA wird man nicht stoppen können. Außer vielleicht, man sperrt Präsident Sepp Blatter mal ein langes Wochenende mit Roth und Stoiber bei 50 Grad in ein Zimmer. 2. Man kann auch Moderator einer Talksendung sein, ohne zu moderieren, zu strukturieren oder mal das Thema der Sendung ernst zu nehmen. 3. Das Panini-Heft von Claudia Roth ist noch nicht voll.

Und das Fazit?

Dann lieber wieder "Waldis WM-Club"!