Männerkomödie im Ersten: Ein Mann, ein Baum, kein Sinn
Geschlechterkomödie in der ARD Mann, heul' doch!
Die Hälfte der Dialoge in diesem Film gehört gestrichen. Und der Rest ins Gegenteil verkehrt. Dann hätte "Der Mann auf dem Baum" durchaus lustig werden können. Dabei müssten die Figuren in diesem Mittwochsfilm im Ersten dringend mal miteinander reden - nur bitte nicht so.
Mutmaßlich soll es witzig sein, dieses andauernde Jammern des armen Geschlechts: "Mein Problem ist: Ich bin ein Mann." Oder: "Männer sind das Auslaufmodell der Evolution, sagt meine Ex." Oder auch: "Das Y ist nur ein verkrüppeltes X-Chromosom. Schon im Mutterleib sind wir zweite Wahl." So klagend sitzt der Hotelangestellte Hans auf dem Aachener Marktplatz auf einem Baum. Er demonstriert dort gegen die "Mütterrepublik Deutschland".
Weil die Zukunft weiblich ist und seine Ex leider auch, darf er seinen Sohn Moritz nicht sehen, wann und wie oft er will. Im Gegenteil, sie will mit dem neuen Typen sogar nach Dänemark auswandern. Hans ( Jan Josef Liefers) sitzt also da oben und erzählt rückblickend, was ihm alles an Leid geschah: "Biologisch bin ich ein Mann, gefühlt bin ich eine verlassene Mutter und tatsächlich bin ich ein armer Idiot."
Dem ist wenig hinzuzufügen, außer: langweilig! Der Film - nach "Freilaufende Männer" der zweite in Sachen Männerbefindlichkeit auf dem Mittwochabend - will eine Komödie sein, aber dass Silke Zertz in ihrem Drehbuch immer nur mit dem Stilmittel der Übertreibung arbeitet, ermüdet doch sehr. Übertrieben kalt, egoistisch und eindimensional muss Suzan Anbeh die Ex spielen. Übertrieben ist das Drama des Mannes. Übertrieben sind die Figuren der drei Freunde, die Hans im Krankenhaus kennenlernt.
Vier Sprachen, zwei Doktortitel, kein Herz
Als neue Männerbewegung ("Nieder mit der Diktatur des Feminats") raufen sich die vier zusammen: Martin, der Hans mit dem Skateboard umgefahren hat, weshalb also beide in der Klinik liegen. Er ist jung, attraktiv, macht gerne per SMS Schluss und hat einen Hass auf Frauen, denn den NC an der Uni schaffen eh nur noch die und bei Medizintechnik gibt's 'ne Frauenquote. Walter, in Erfolg ergrauter Geschäftsführer einer Riesenfirma, hat Tinnitus aus Angst vor der neuen Kollegin, weil die vier Sprachen spricht, zwei Doktortitel hat und kein Herz.
Davon hat Leo zuviel: Als gutmütiger, phlegmatischer Dicker lässt er sich von seiner Frau mit Haushaltswaren bewerfen, weil diese es satt hat, dass sie arbeitet und er die Wohnung einmüllt. Die Typen als Ansatz sind gut, nur kommt das platte Klischee dazwischen, als sie mit allen Mitteln versuchen, Hans' Ex davon abzuhalten, nach Dänemark zu ziehen.
So, wie die Geschichte erzählt wird, gerät das Drama des Vaters, der sein Kind zu verlieren droht, immer wieder zwischen die Erzählrädchen. Man denkt an den Schauspieler Mathieu Carrière, der sich vor fünf Jahren ans Kreuz hat binden lassen, um für die Rechte der Väter zu kämpfen. Das ist nicht amüsant. Und wenn Hans Sätze sagt wie: "Wenn ich vor Gericht ziehe, dann führe ich Krieg und Moritz ist das erste Opfer", dann ist es eine Schleife zu viel hin zum Drama und weg von der Komödie.
Dazu sind die Frauenfiguren so platt, das Männerbild von vorvorgestern ("Immer, wenn ein Mann Gefühle zeigt, macht er sich lächerlich." Oh, bitte!), dass es eben nicht komisch ist, sondern nur zum Gähnen. Ja, Männer haben Probleme, Frauen auch. Und jetzt? Dabei ist es gerade auch um Jan Josef Liefers ( soll demnächst Skandalminister Guttenberg spielen) schade, der tapfer versucht, die Zwischentöne zu treffen und beides zu spielen, den verletzten Mann und den komischen Helden.
"Männer waschen nicht ab, Männer weichen ein" - mehr Sätze wie diesen wünscht man sich, mehr Szenen wie die, als Moritz in der Schule zum Anti-Gewalttraining muss - und dass die Leute einfach mal miteinander reden, statt vor sich hin zu jammern.
"Frauen sind nicht die besseren Menschen und Mütter nicht die besseren Väter", heißt es im Film. Dramen sind nicht die besseren Komödien und Klischees nicht die besseren Witze, möchte man anfügen.
"Der Mann auf dem Baum", Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD