Guttenberg-Talk bei Maischberger: Dann lieber einen Playboy - DER SPIEGEL
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Guttenberg-Talk bei Maischberger: Dann lieber einen Playboy

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Guttenberg-Talk bei Maischberger Dann lieber einen Playboy

Eigentlich wollte Sandra Maischberger mit Rolf Eden über Triebe und Sex reden. Doch dann ging Guttenberg. Neues Thema, neues Glück. Gleich sechs Experten debattierten nun über den Abgang - leider bürgt Masse nicht unbedingt für Klasse.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Karl-Theodor zu Guttenberg

Es hätte bei Sandra Maischberger so lustvoll werden können: Geplant hatte die Redaktion für Dienstagabend eine Sendung mit den selbsternannten Verführungs-Gurus Rainer Langhans und Rolf Eden ("Trieb statt Hirn - warum hat Sexualität solche Macht?"). Doch dann funkte mit seinem Rücktritt dazwischen. In letzter Minute hieß es: umschwenken zur Politik, zum Baron also.

Maischbergers kurzfristig geladene Gäste sind sich schnell einig: Die Entscheidung des Verteidigungsministers habe niemanden der hier im Studio Anwesenden überrascht. Dramaturgisch betrachtet ist das keine gute Voraussetzung für 75 Minuten Folgediskussion. Immerhin ist die Bude voll: Sandra Maischberger hat im ersten Late-Night-Talk nach dem Abtritt des Ministers gleich sechs Guttenberg-Analysten um sich geschart.

Publizist Michel Friedman, seines Zeichens Rücktrittsexperte (freundlicherweise blendet die Redaktion den Hinweis "wegen Kokainaffäre zurückgetreten" gleich mehrfach ein) mit zwei Doktortiteln, tut das, was er in Talkshows am besten kann: seine Thesen in schnittige Modewörter kleiden. Guttenberg habe seine "Peergroup" verloren, sich zum "Celebrity" machen lassen, eben eine klare "Glamoursituation" hergestellt - "wie in einer Soap" stiere die Bevölkerung auf das, was im Hause Guttenberg passiert.

"Vollkommen unangebrachtes Pathos"

"Bild"-Hauptstadtchef Nikolaus Blome, der mit Friedman schon bei Maybrit Illner über die Plagiatsaffäre stritt, gibt wieder den Verteidiger Guttenbergs und kritisiert, dass dieser sich "Betrüger nennen lassen muss." Blome hält auch nach Vollzug des Rücktritts daran fest: Als Politiker konnte Guttenberg Leute begeistern, die Union sei ohne ihn schlechter dran als mit ihm. Gleiches gilt wohl für die "Bild", schließlich bricht mit dem Rücktritt des Ministers ein Hauptlieferant für Heldengeschichten auf der Titelseite weg.

Historiker und Talkshow-Eminenz Arnulf Baring ist unentschlossen, wie er zum Rücktritt stehen soll. Der gefallene Minister sei eine "Legende", sowohl im Guttenberg-Clan als auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Zugleich zetert Baring über "vollkommen unangebrachtes Pathos" beim Abschied am Dienstag, "das war furchtbar und schlimm."

Der früher bissige Ex-Innenminister Brandenburgs, Jörg Schönbohm (CDU), bleibt so zahm, dass er zeitweise aus der Diskussion gekegelt wird. Auch Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) trägt wenig Erhellendes bei. Ihm tue Guttenbergs Rücktritt leid, "unter menschlichen Gesichtspunkten." Scharping selbst war 2002 vom damaligen Kanzler Gerhard Schröder aus dem Amt entlassen worden.

Guttenberg-Skandals

Als die Runde mit Rückblicken nicht weiterkommt, widmet man sich den Folgeschäden des . Die Affäre habe die Kluft zwischen Bürgern und Politikern weiter aufgerissen, soweit herrscht Einigkeit unter den Gästen. Aber was kommt nach Guttenberg? Und vor allem - wer? Und: Übersteht Angela Merkel, die in der Doktortitelaffäre "beispiellos opportunistisch gehandelt" habe ("Tagesspiegel"-Politische Chefkorrespondentin Tissy Bruns) die Schicksalswahl in Baden-Württemberg - und das gesamte Wahljahr?

Phasenweise bemerkenswert

Die Diskussion verharrt auch hier einmal mehr zu lange beim Hauptprotagonisten. Es geht um die Frage nach einem möglichen Comeback Guttenbergs. Merkel selbst hatte angekündigt, sie werde in Zukunft gerne wieder mit Guttenberg arbeiten, "in welcher Form auch immer." Friedman bescheinigt Guttenberg, er sei zumindest phasenweise "bemerkenswert" gewesen, "vielleicht wird er es wieder."

Für die Journalistin Bruns hat sich Guttenberg spätestens mit seiner Rücktrittserklärung diskreditiert. Wochenlang habe der CSU-Politiker Argumente "populistisch-demagogisch verbogen", sich als Blender entpuppt. Als Abtrittsgrund "Rücksicht auf seine Soldaten" vorzuschieben, "das ist eine Ungeheuerlichkeit."

Schönbohm setzt stark auf ein Comeback Guttenbergs, "in ein paar Jahren, mit Mitte 40, da kann er noch einiges machen." Baring gibt zu bedenken, ohne Bundestagsmandat sei eine Rückkehr schwer, "er ist erst erstmal raus." Scharping plädiert für klare Verhältnisse, es sei richtig, dass Guttenberg zunächst alles ruhen lasse.

Blome sagt, man solle sich eher fragen, ob Guttenberg ein Comeback überhaupt anstrebe. "Wer sagt denn, dass er zurück will?" Nach allem, was dem Baron in Berlin widerfahren sei.

Der Rücktritt beendet das Kapitel Guttenberg vorerst nicht, im Gegenteil, er liefert Futter für Spekulationen in der Endlosschleife - und noch mehr Sendungen. "Guttenberg - geht da ein Lügner oder ein Märtyrer?" will Frank Plasberg am Mittwoch fragen.