Hollywood-Stars in TV-Serien - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Kinogrößen machen TV-Serien: Von der Leinwand auf den Bildschirm

Foto: Chris Pizzello / AP

Kino-Meister machen Fernsehen Hier gehen Hollywood-Stars in Serie

Die Leinwand ist nur was für Hollywoods Könner, die Flimmerkiste bleibt für die zweite Reihe - das war einmal. Ob Martin Scorsese oder Steven Spielberg, ob J. J. Abrams oder David Fincher: Bei starken TV-Stoffen mischt auch die Kino-Elite kräftig mit. So wie bei diesen zehn Top-Serien.
Von Roland Huschke
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Fotostrecke

Martin Scorsese als TV-Serien-Macher: Regie als Publicity Stunt

Foto: Chris Pizzello / AP

Martin Scorsese - "Boardwalk Empire" Natürlich war es auch ein Publicity-Stunt. Als sich Martin Scorsese bereit erklärte, der HBO-Gangsterserie "Boardwalk Empire" nicht nur seinen Namen als ausführender Produzent zu leihen , sondern gleich den Pilotfilm zu inszenieren, hätte die Aufmerksamkeit nicht größer sein können. Immerhin ist die TV-Produktion sein erster Ausflug in die Strukturen des organisierten Verbrechens seit "Casino". Seither freilich ist Scorseses Einfluss darauf beschränkt, die Drehbücher zu lesen und Episoden abzunehmen. Selten kommentiere er den Produktionsprozess, so Scorsese, denn bei Terence Winter sei die Show in sicheren Händen. 2012 geht das Prohibitions-Epos bereits in die dritte Staffel. Die Partnerschaft von "Sopranos"-Veteran Winter und Kino-Pate Scorsese steht tatsächlich als Goldstandard für die Bündelung kreativer Kräfte in einstmals konkurrierenden Branchenzweigen. Mit hohem Produktionsniveau und viel Prominenz, mit verknoteten Tragödien und ausführlichen TV-Erzählstunden ist "Boardwalk Empire" - wie alle Spitzenproduktionen des US-Serienbooms - ein Spielfilm im Dickens-Format. Scorsese führt denn auch "Berlin Alexanderplatz" als Inspiration für "Boardwalk Empire" an. Und wann immer die Emmy-gekrönte Serie einst enden wird - die letzte Folge will der Starregisseur wieder selbst in Szene setzen.

Fotostrecke

Aaron Sorkin und David Fincher: Im Zentrum der Macht

Foto: Alberto E. Rodriguez / Getty Images


Aaron Sorkin/ David Fincher - "House of Cards" Allzu viel ist noch nicht bekannt über die Adaption der gleichnamigen britischen Serie, die Regisseur David Fincher schon 2009 mit dem Autore Eric Roth ("The Insider") nach Amerika übertragen wollte. Inzwischen hat er Aaron Sorkin als Partner gewonnen, der als Erfinder von "The West Wing" und Oscar-Gewinner für "The Social Network" gar qualifizierter scheint. "House of Cards" spielt im Zentrum der Macht, doch statt eines Anwärters auf den britischen Premier-Posten wie im Original wird Kevin Spacey einen Politiker mit Ambitionen auf das höchste politische Amt der USA spielen. The West Wing 2.0? Originär war jedenfalls schon mal die Finanzierung von 26 geplanten Serienfolgen: Bei einer Auktion der Rechte bekam kein arrivierter Kabelsender den Zuschlag, sondern der zunehmend mächtige Online-Streamingdienst Netflix.

Fotostrecke

Mark Wahlberg: Fels des guten Geschmacks

Foto: Matt Sayles / AP
Fotostrecke

Frank Darabont: Gemetzel vor und hinter den Kulissen

Foto: Denis Poroy / AP


Mark Wahlberg - "How to Make it in America" Der Mann ist ein Phänomen. Muss seine gesamte Karriere lang darum kämpfen, als Schauspieler ernst genommen zu werden und landet zu selten in perfekt passenden Projekten wie "Boogie Nights" oder "The Fighter". Doch seit der ehemalige Rapper und Wäscheständer auch unter die Produzenten gegangen ist, verblüfft sein Instinkt für tolle Stoffe. Das alles andere als kommerzielle Therapiesession-Puzzle"In Treatment" mit Gabriel Byrne geht ebenso auf sein Konto wie der kürzlich ausgelaufene Dauerbrenner "Entourage". Die glamouröse Serie über das Leben eines Filmstars und seines innersten Zirkels basierte auf Wahlbergs eigenen Erfahrungen. Als Co-Produzent von "Boardwalk Empire" stellte er dann noch den Kontakt zu Scorsese her, den er dafür beim "The Departed"-Dreh angefixt hatte. Mit dem Drama "How to Make it in America" präsentierten der Filmstar und Management-Partner Stephen Levinson jüngst ihre vierte Fernsehproduktion. Keine Diskussion: Mark Wahlberg ist ein Fels des guten Geschmacks. Vor allem, wenn er nicht vor der Kamera steht.
Frank Darabont - "The Walking Dead" Letztlich ging auch das Gemetzel hinter den Kulissen glimpflich aus. Denn als die zweite Staffel der blutrünstigen Zombieshow "The Walking Dead" im vergangenen Sommer debütierte und dem US-Kabelsender AMC Rekordquoten bescherte, hatte auf schmerzliche Weise die kreative Kontrolle gewechselt. Auf der Fan-Messe Comic-Con bewarb (Pilotfilm-)Regisseur Frank Darabont die Serie noch als Überraschungshit der Saison. Er gilt als Schöpfer von "The Walking Dead" und genießt seit "Die Verurteilten" oder "Der Nebel" Credibility unter Genrefreunden. Ungeachtet seines Namens aber wurde Darabont drei Tage später gefeuert, nachdem er kurz vor Ende der ersten Staffel selbst Schlüsselautoren ausgetauscht hatte - der Höhepunkt eines Streits um Budgetfragen, der zwischen Sender und Serienschöpfer zum Bruch führte. Und warnendes Beispiel dafür, dass auf Dauer nicht jeder an Zeit und Geld im Überfluss gewöhnte Hollywood-Filmemacher mit den Restriktionen eines TV-Finanzplans zufrieden sein mag. "The Walking Dead" hat es einstweilen nicht geschadet. Die Quoten der zweiten Staffel waren trotz erzählerischer Schwächen so überragend, dass für die kommende Saison mehr Geld, Schauspieler und Episoden bewilligt wurden.

Fotostrecke

David Benioff: Der Popstar unter Hollywoods Schreibknechten

Foto: Frazer Harrison / Getty Images


David Benioff - "Game of Thrones" Gewisse Prominenz kann nie schaden - und eine Zeitlang war David Benioff der Popstar unter Hollywoods Schreibknechten. Mühelos hatte er den Wechsel vom Buchautor ("25 Stunden") zum Drehbuch-Darling der Stunde ("Troja") geschafft. Verheiratet mit der schönen Schauspielerin Amanda Peet könnte er sich bis heute damit begnügen, sein Talent gegen gute Bezahlung für Mainstream-Scripts wie "X-Men Origins: Wolverine" einzutauschen. Doch der Leser im Schriftsteller hungerte nach mehr. Als "Crack auf Papier" bezeichnet Benioff die Fantasy-Reihe "Game of Thrones" nach den Wälzern von George R.R. Martin, die er gemeinsam mit Kompagnon D.B. Weiss dem Sender HBO schmackhaft machte. Ein phänomenaler Erfolg weltweit - zuletzt auch bei der mutigen RTL-II-Ausstrahlung der kompletten Staffel über ein Wochenende- dem dank der Fülle des Quellmaterials noch ein halbes Dutzend Staffeln folgen dürften. Geschuldet nicht zuletzt der Übersicht von (Co-)Autor Benioff, der Sex & Crime im "Thrones"-Universum werkgetreu adaptieren lässt und an kinoreifen Kompositionen aus den Bildern holt, was der Etat von rund 45 Millionen Dollar pro Staffel hergibt. In den USA kehrt der Winter ab 1. April zurück.

Weiter geht's! Mit: "Arrested Development", "True Blood", "Luck", "Alcatraz", "Terra Nova"

Fotostrecke

Alan Ball: Pionier des neuen US-Qualitätsfernsehens

Foto: Matt Sayles / AP

Alan Ball - "True Blood" Auch Alan Ball machte sich zunächst als Hollywood-Hotshot einen Namen, als er 1999 aus dem Nichts den Oscar als bester Drehbuchautor für "American Beauty" gewann. Mehr Marktwert bekommt ein Autor nie wieder - Ball hätte fortan obszöne Summen allein als Dialogschleifer von Studio-Fließbandware verdienen können. Doch der ehemalige TV-Autor blieb seiner ersten Liebe treu und nutzte die plötzliche Branchenmacht als einer der Pioniere des neuen US-Qualitätsfernsehens, um "Six Feet Under" zu konzipieren - und die Bestatter-Familie Fisher über 63 grandiose Episoden zu begleiten. Für das Kino drehte er als Regisseur zwischenzeitlich selbst einen Film ("Nothing is Private"), doch das kluge Spiel mit Tabuthemen wie Tod oder Rassismus im Serienformat scheint ihm mehr zu liegen. Während seine kultisch verehrte Vampirshow"True Blood" bereits in die vierte Staffel geht, bereitet Ball für HBO mit "Wichita" schon den nächsten subversiven Streich vor. Hauptfigur: ein Abtreibungsdoktor.

Fotostrecke

Michael Mann: Alphamann bei den Rennbahn-Rivalen

Foto: Matt Sayles / AP


Michael Mann - "Luck" Ein Drama aus der Welt des professionellen Pferderennsports? Die Ende Januar in Amerika bei HBO gestartete Serie "Luck" wurde gespannt erwartet, kam sie doch vom jüngsten Dream Team aus Kino und Fernsehen. Erdacht von David Milch, dem Mann hinter der starken Westernserie "Deadwood", und produziert von Regisseur Michael Mann ("Heat"), der auch den Pilotfilm gedreht hat, galt "Luck" als Gipfeltreffen zweier kompromissloser Köpfe. Dass es zwischen diesen Alphamännern hinter den Kulissen gekracht haben soll, war den präzisen Erstepisoden nicht anzumerken. Zumal mit Dustin Hoffman und Nick Nolte zwei veritable Filmstars die Hauptrollen spielten - und damit das Tor für prominente Kollegen weiter öffneten. Das System Hollywood wird brüchig, das Kino hat längst zu wenig gute Parts für alle - Top-Fernsehjobs bilden da eine echte Alternative. Doch trotz aller Erfahrung des Gespanns Milch und Mann geriet die "Luck"-Produktion zum traurigen Kapitel: Als trotz aller vermeintlicher Sicherheitsvorkehrungen ein drittes Pferd zu Tode kam, das zuvor für Rennsequenzen eingesetzt wurde, stellte man die Serie umgehend ein.

Fotostrecke

J.J. Abrams: Ehrgeiziger Multitasker

Foto: Danny Moloshok / AP


J. J. Abrams - "Alcatraz" Niemand verkörpert die Auflösung der Grenzen zwischen Film und Fernsehen in den USA so geschmeidig wie J. J. Abrams, der sich bis heute mit keinem der beiden Medien begnügen mag. Fürs Kino arbeitet er längst an "Star Trek 2", während die neue Serienproduktion "Alcatraz" an seine Erfolge "Lost" und "Fringe" anknüpfen soll. Wer Abrams' Multitasking-Talent und Ehrgeiz kennt, kann sich gut vorstellen, dass er jede relevante Entscheidung des Heeres seiner Autoren und Mitarbeiter selbst abnimmt. Doch letzten Endes muss Abrams inzwischen das Gros seiner Aufmerksamkeit aufs Kino konzentrieren. Er selbst hat eingeräumt, mitunter die Kontrolle über die vielen Projekte verloren zu haben, die seinen Namen tragen und im Firmensitz in Santa Monica mit vielen Helfern ausgeknobelt werden. "Alcatraz" - eine Mystery-Serie über spukende Ex-Häftlinge von der menschenleeren Gefängnisinsel vor San Francisco - soll nun weiteren Aufschluss geben, ob Abrams als Fernsehmacher auf Routine setzt oder noch mal frischen Suchtstoff finden kann. Das scheint erst einmal misslungen - der Sender Fox legte die Serie im Mai nach nur einer Staffel auf Eis. Wenn J. J. Abrams nicht aufpasst und es mit der Geheimniskrämerei als Alleinstellungsmerkmal seiner Arbeiten übertreibt, könnte das Publikum des Stils auch überdrüssig werden wie einst bei "X-Files". Von dessen selbstbewusstem Schöpfer Chris Carter war lange nichts mehr zu hören.

Fotostrecke

Steven Spielberg: Franchise-Nehmer seiner eigenen Kinohits

Foto: Frederick M. Brown / Getty Images


Steven Spielberg - "Terra Nova" Doch vielleicht übernimmt Abrams auf Dauer auch das Prinzip von Vorbild Steven Spielberg, der beim Fernsehen begann ("Duel") und weitsichtig wie immer schon Mitte der achtziger Jahre seine erste Serie produzierte ("Amazing Stories"). Es folgten wechselhafte Programme wie "SeaQuest" (mit eigenem Themen-Restaurant in Los Angeles), "Taken", "Band of Brothers" und "The Pacific". Die beiden zuletzt genannten Miniserien waren sicher auch dem Geschichtsenthusiasmus des Produzenten-Partners Tom Hanks geschuldet. War Spielberg am Anfang der rare Hollywood-Player, der kraft seines Namens Fernsehserien anschieben konnte, steht er inzwischen für eine ganz eigene Art von TV-Markenware: Seine Serien sind im Grunde genommen Weiterführungen seiner größten Kino-Hits. So erinnert die Alien-Invasion in der TV-Produktion "Falling Skies" an den Blockbuster "Krieg der Welten" und die Dinosaurier-Welt von "Terra Nova" an "Jurassic Park". Eine Erfolgsgarantie ist das allerdings nicht: "Terra Nova" wurde inzwischen trotz passabler Quoten von Fox eingestellt, für die nächste Staffel sucht man einen neuen Sender.

Fotostrecke

Brian Grazer: Talentfrei nur in der Selbstvermarktung

Foto: Michael Buckner / VF / Getty Images


Brian Grazer - "Arrested Development" Während neue Serien von Spielberg oder Produzent Jerry Bruckheimer ("Fluch der Karibik") die Namen ihrer Macher als wirksame Werbeinstrumente einsetzen, geht dem Kollegen Brian Grazer das Talent zur Selbstvermarktung gänzlich ab. Der sympathische Surfer und langjährige Hollywood-Produzent hat für "A Beautiful Mind" einen Oscar gewonnen, brachte unlängst Clint Eastwoods "J. Edgar" ins Kino und produziert 2012 überraschend die Oscar-Show. Doch dass er über seine Firma Imagine auch einflussreiche Serien wie "Arrested Development", "Friday Night Lights" oder "24" in den Popkultur-Kreislauf gebracht hat, wird stets vergessen, wenn die wichtigen Drahtzieher von Serien-Coolness diskutiert werden. Und obwohl ein "24"-Kinofilm bisher nicht über Ankündigungen hinausgekommen ist, schließt sich für Grazer bald ein Kreis. Nach jahrelangen Fan-Protesten gegen die Abschaltung der kultisch verehrte Comedy-Serie kehrt "Arrested Development" mit Jason Bateman zurück. Auf der Leinwand.