Holocaust-Dokumentation von Alfred Hitchcock wird ausgestrahlt - DER SPIEGEL
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"Psycho"-Regisseur Hitchcocks Holocaust-Doku restauriert

Eine drastische Dokumentation über die Gräueltaten der Nazizeit soll Jahrzehnte nach ihrer Fertigstellung erstmals komplett zu sehen sein. Der Film trägt die Handschrift von Alfred Hitchcock - und soll den Meister des Horrors traumatisiert haben.
Hitchcock auf einem Archivbild von 1980: Drastische Bilder
Hitchcock auf einem Archivbild von 1980: Drastische Bilder

Hitchcock auf einem Archivbild von 1980: Drastische Bilder

Foto: ASSOCIATED PRESS
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Hamburg - Als er das Filmmaterial zum ersten Mal sah, soll der britische Regisseur Alfred Hitchcock ("Psycho", "Die Vögel") so geschockt gewesen sein, dass er eine Woche lang nicht mehr ins Filmstudio zurückkehrte. Keine spleenige Horrorgeschichte war der Anlass seiner Traumatisierung, sondern Bilder, die britische und sowjetische Armee-Kamerateams gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in deutschen Konzentrationslagern drehten. Nun soll die daraus entstandene Dokumentation zum ersten Mal in überarbeiteter Form komplett gezeigt werden, meldet der britische "Independent" .

Es ist verstörendes Material. Hunderte verhungernde KZ-Insassen sind schon binnen der ersten Minuten zu sehen. Menschen, die bis auf die Knochen ausgemergelt sind, mit letzter Kraft versuchen Wasser zu trinken und nach ihrem Tod von den noch Lebenden in Massengräber geworfen werden müssen, wo sich die leblosen, skelettierten Körper stapeln. Hitchcocks Freund Sidney Bernstein zeigte dem Briten 1945 die Aufnahmen und bat ihn um Mithilfe bei der Erstellung der Dokumentation.

Wie viel Hitchcock letztlich tatsächlich daran mitgewirkt hat, ist nicht festzustellen, berichtet der "Independet" weiter. Ohnehin sei es makaber, das Zeitdokument als Hitchcock-Film zu sehen, der in seinen Werken aberwitzige menschliche Ängste thematisierte wie im Meisterwerk "Vertigo" oder voyeuristische Gelüste seiner Zuschauer befriedigte wie in "Das Fenster zum Hof". Wohl aber trage die Struktur des fertigen Films seine Handschrift.

Die Dokumentation wurde allerdings nach ihrer Fertigstellung nicht ausgestrahlt, die Alliierten hielten sie wohl für zu drastisch. Die Filmrollen landeten im Imperial War Museum in London. Erst in den achtziger Jahren wurden Teile daraus bei einem britischen Filmfest und im US-amerikanischen Fernsehen gezeigt, allerdings in sehr schlechter Qualität.

Inzwischen hat das Museum den Film komplett digital überarbeiten lassen, der alte Titel "Memory of the Camps" soll geändert werden. Er sei wesentlich ungestellter als jede andere Dokumentation über die Konzentrationslager, sagte der Leiter der Rechercheabteilung des Museums, Toby Haggith, dem "Independent". Im kommenden Jahr soll die Dokumentation auf Filmfestivals, Kinos und im britischen TV komplett gezeigt werden. Auf YouTube ist eine 53-minütige Version  zu sehen.

vks